Montag, 11. Dezember 2017

2. Gewinner der Advent-Buchverlosung 2017

Der glückliche Gewinner des Buchs "Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen - Schuhe des Hoch- und Spätmittelalters" ist: Hannah F.


Eine Teilnahme an der Verlosung der beiden letzten Bücher ist immer noch möglich.

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Hörbares: Wie (unsinnig) twittern Archäologen? -- Atlantis in der Nordsee? -- Johann Joachim Winckelmann -- usw.




Radio-Interview: Kommunikation in der Wissenschaft - Wie (unsinnig) twittern Archäologen? | Spieldauer 9 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
In den Geisteswissenschaften würden angeblich viele befürchten, dass die "neuen Medien" wie Blogs und Twitter negativen Einfluss auf die Seriosität der vermittelten Informationen haben. Nicht für jeden Wissenschaftler liege beim Veröffentlichen die Würze in der Kürze, heißt es.
Ich sehe das anders: Es würde speziell den Geisteswissenschaften nicht schaden, wenn man dort lernen würde, sich grundsätzlich kürzer zu fassen. Das muss ja nicht gleich eine Beschränkung auf 140 Zeichen wie bei Twitter sein.
Freilich, hohles Wortgedrechsel ist seit jeher ein integraler Bestandteil geisteswissenschaftlicher Kommunikation. Schließlich dient es der persönlichen Selbsterhöhung. Ohne diesen Obskurantismus liefe man hingegen Gefahr, dass Außenstehende allzu leicht erkennen, wie bescheiden der wissenschaftliche Output mitunter ist. Und dann hieße es möglicherweise eines Tages: Aber der Kaiser (Herr Professor) hat ja gar nichts an!
Der twitternde Interviewpartner, der auf den schönen Namen Hauke Ziemssen hört, meint, Geisteswissenschaftler könnten die Gesellschaft mit ihren Forschungsergebnissen bereichern und dazu beitragen, auch bei aktuellen Problemen eine differenzierte Betrachtungsweise zu ermöglichen. In der schönen Theorie ist das natürlich zutreffend, nur in der Praxis gilt häufig: Wes Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Auch sind Wissenschaftler, trotz entsprechend einstudierter Pose, keineswegs unvoreingenommen; besonders nicht Geisteswissenschaftler, die mehrheitlich noch jedem Zeitgeist hinterhergelaufen sind - wie die Geschichte des 20. Jahrhunderts veranschaulicht. Je relevanter ein Thema für die Gesellschaft ist, umso mehr trifft dies auch heute noch zu. Der interviewte Archäologe belegt hier sein entsprechendes 'Bias' sogleich recht anschaulich mit einem von ihm sicher nicht zufällig bemühten Beispiel (Stichwort 'virtue signalling'), das auf die Relativierung politisch mittlerweile nicht mehr opportuner Fakten abzielt, obwohl sich diese doch als nahezu allgegenwärtige Brandhorizonte in den archäologischen Schichten der spätantiken Völkerwanderungszeit manifestieren ...
Übrigens: Zu den mitunter eher unseriösen Machenschaften in der archäologischen Forschung wird am kommenden Mittwoch im Rahmen des Blogs ein interessantes Interview veröffentlicht, das ich kürzlich mit dem deutschen Geoarchäologen und Buchautor Eberhard Zangger geführt habe. Äußerst negative Erfahrungen mit Berufskollegen hatten ihn sogar dazu veranlasst, vorübergehend seine Forschungsaktivitäten einzustellen.

Lag Atlantis in der Nordsee? | Spieldauer 7 Minuten |  RB | Stream & Info | Direkter Download

Damit konnte doch keiner rechnen – Stifels Weltuntergang | Spieldauer 27 Minuten | Das geheime Kabinett | Stream & Info | Direkter Download

Diskussion: Der Erfinder der Antike – Wer war Johann Joachim Winckelmann? | Spieldauer 44 Minuten |  SWR | Stream & Info | Direkter Download

Johann Joachim Winckelmann: Schöne Welt, wo bist Du? | Spieldauer 55 Minuten | RBB | Stream & Info | Direkter Download

Zum 300. Geburtstag: Winkelmann im russischen Wolfspelz | Spieldauer 6 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

Einfalt und stille Größe - Winckelmann und das antike Schönheitsideal | Spieldauer 25 Minuten | RBB | Stream & Info | Direkter Download

Wissenschaftstransfer im Mittelalter | Spieldauer 15 Minuten |  RBB | Stream & Info | Direkter Download

Das antike Alexandria - Suche nach der verlorenen Weltstadt | Spieldauer 15 Minuten |  RBB | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 10. Dezember 2017

Videos: Richard Löwenherz, Ritter oder Rabauke? -- Archäologische Blockbergung eines Fürstengrabes -- 2500 Jahre alte Moorleiche -- Das Federseemuseum

Ausstellung in Speyer: Richard Löwenherz - Ritter oder Rabauke? | viele Videos unterschiedlicher Länge | SWR | Stream & Info
Mit dabei ist hier natürlich wider Stefan Weinfurter; neben Johannes Fried scheinbar der einzige herzeigbare Mittelalterhistoriker in ganz Deutschland - zumindest lässt seine TV-(Omni-)Präsenz das vermuten 😃
Übrigens: Den wirklich sehr interessanten Begleitband zur Ausstellung bezeichnen die Herausgeber als neues deutsches Standardwerk hinsichtlich Richard Löwenherz. Ob das tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen, da mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Die Besprechung erfolgt hier im Blog jedenfalls Anfang des kommenden Jahres.

50 Tonnen schwere archäologische Blockbergung eines bronzezeitlichen Fürstengrabes | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream und Info

Moora - eine 2500 Jahre alte Moorleiche | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream und Info

Das Federseemuseum: Rekonstruktionen von Hütten aus der Stein-, Bronze-, und Eisenzeit | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream und Info
In dem Beitrag wird die nicht unwichtige Frage gestellt, wie authentisch die Rekonstruktionen sind. Irgendwer hat hier im Kommentarbereich des Blogs einmal geschrieben, bei den Bauten des Federseemuseum hätte man Fundamente aus Beton verwendet. Ich weiß nicht ob und wie weit das zutreffend ist, aber hier wird jedenfalls nichts dergleichen erwähnt.
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Freitag, 8. Dezember 2017

Buch: Die Keilschrift und ihre Entzifferung



Über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrtausenden wurde die sogenannte Keilschrift im vorderen Orient von den verschiedensten Völkern, Reichen und Dynastien verwendet. Zu nennen sind hier beispielsweise Sumerer, Akkader, Assyrer, Babylonier, Perser, Seleukiden und Parther. Von ihrer Entstehung in Uruk (Irak) um 3400 v. Chr. bis zu ihrem Verschwinden ca. im 1. Jh. n. Chr war die Keilschrift in ihrem Erscheinungsbild mehrfach einem Wandel unterworfen, was - neben anderen Faktoren - ihre Entzifferung lange erschwerte. Und obwohl hierbei im 19. und frühen 20. Jahrhundert große Fortschritte gemacht wurden, hat die Keilschrift bis heute noch nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben.

Bei Verwendung wird um die Nennung der Quelle gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com
Im Büchlein Die Keilschrift und ihre Entzifferung (Buske Verlag) wird auf rund 50 Prozent der 48 Seiten die Forschungsgeschichte behandelt. Angefangen beim italienischen Adeligen Pietro della Valle, der 1621 im Nahen Osten Keilschriftzeichen kopierte, bis hin zu Wissenschaftlern wie Jules Oppert, der für die Enträtselung der sumerischen Variante der Keilschrift verantwortlich zeichnete.
Daneben geht es aber auch um Beschreibstoffe, die Ausbildung der Schreiber und um die Besonderheiten von Keilschriftalphabeten wie jenem des bronzezeitlichen Stadtstaates Ugarit (Syrien). Auch Beispiele für Wörter und Texte in Keilschrift sind enthalten. Am Rande wird überdies auf die Entwicklung hin zum modernen (lateinischen) Alphabet eingegangen, wie die obige Grafik sehr schön zeigt (hier wird der aufmerksame Leser auch sofort erkennen, wo der tatsächliche Ursprung des Wortes "Alphabet" liegt).


Fazit: Alles in allem ist das reichhaltig illustrierte Büchlein als kleine Einführung in die Thematik nicht unbedingt schlecht, allerdings bin ich mit der Gewichtung nicht ganz glücklich. Für meinen Geschmack wurde der reinen Forschungsgeschichte und ihren Protagonisten zu viel Raum gewidmet. Der Kaufpreis beträgt 10 Euro.


Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
Danksagung
Die Verwendung der Keilschrift
Chronologisches Gerüst
Die Wiederentdeckung des Alten Orients
Erste Versuche der Entzifferung der Keilschrift
Die Entzifferung des Altpersischen
Die Inschrift des Tiglat-Pileser I., entziffert im Jahr 1857
Jules Oppert (1825-1905)
Die drei britischen Gelehrten
Akkadisch: Die Verwendung einer syllabischen Keilschrift
Sumerisch und seine Entzifferung
Die Erfindung des Alphabets
Die Tontafeln
Die unterschiedlichen Schriftträger
Die Ausbildung der Schreiber
Die Werke der Schreiber
Autoren
Literaturhinweise

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Weiterführende Informationen:



Weitere interessante Themen:

Donnerstag, 7. Dezember 2017

1. Gewinner der Advent-Buchverlosung 2017


Der glückliche Gewinner des Buchs "Das Fränkische Heer der Merowingerzeit - Teil 1" ist:  Gerald J. 


Da ich gefragt wurde, ob man statt nur per E-Mail nicht auch über Facebook an der Verlosung teilnehmen kann: Eigentlich war das nicht vorgesehen, weil ich Facebook so wenig wie möglich in meine Bloggerei einbinden möchte. Aber wer will, der kann mir auch auf Facebook eine Nachricht schicken. Sein Name kommt dann ebenfalls in den Topf. Noch sind ja drei Verlosungen ausständig. Teilnehmen kann man bis unmittelbar vor der Verlosung des letzten Buchs am 23. Dezember.

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Mittwoch, 6. Dezember 2017

Jesus und der Essigschwamm: Im Religionsunterricht bei der Kreuzigung falsch abgebogen



Ich mochte den Religionsunterricht in der Schule. Man bekam alleine fürs halbwegs still Dasitzen ein "Sehr gut" ins Zeugnis geschrieben. Ein ordentlicher Leistungsnachweis musste nicht erbracht werden - so ähnlich also wie mittlerweile bei vielen geisteswissenschaftlichen Studien 😊.
Rückblickend stellt sich mir freilich immer öfter die Frage, inwieweit das, was uns damals im Unterricht erzählt wurde, auf Tatsachen beruhte. Nein, gemeint sind hier nicht die in den Evangelien geschilderten Wunder, sondern Detailinformationen, die auf den ersten Blick relativ banal bzw. profan erscheinen, bei genauerer Betrachtung jedoch manch biblischer Story einen 'Twist' geben, der den Intentionen der Evangelisten widerspricht.

Beispielsweise erinnere ich mich noch gut daran, wie uns unsere Lehrerin - eine sehr nette Frau - in schillernden Farben jene Marter beschrieb, die Jesus im Zuge seiner Kreuzigung erdulden musste. Unter anderem hieß es, ein römischer Soldat (Stephaton) habe dem Gekreuzigten einen an einem Stock befestigten Schwamm mit Essigwasser als 'Erfrischung' unter die Nase gehalten. Uns Schülern wurde das als eine Art sadistische Verhöhnung des Leidenden vermittelt. Denn wer käme schon auf die Idee, freiwillig an einem Schwamm mit Essigwasser zu saugen? Pfui Teufel!
Doch weit gefehlt, denn ausgerechnet in der römischen Armee wurde das von den Soldaten in Feldflaschen mitgeführte Trinkwasser mit Essig angereichert. Dieses Gemisch namens posca löschte angeblich nicht nur den Durst besser, sondern der Essig wirkte überdies antibakteriell! Wobei laut Livius auch Roms Gegner, nämlich die Soldaten des berühmten karthagischen Feldherren Hannibal, bei der Alpenüberquerung Essigwasser tranken (und mit Essig auch gleich Felsen wegsprengten). Es handelt sich also um keine rein römische Marotte. 
Aber zurück zum eigentlichen Thema: Jener mit Essigwasser vollgesogene Schwamm, der Jesus gereicht wurde, war ein Zeichen des Mitleids, nicht des Sadismus. Meiner Religionslehrerin war das offensichtlich nicht klar. Und - darauf möchte ich wetten - vielen ihrer Kollegen geht es auch heute noch so. Wer an solchen Wissenslücken die Hauptschuld trägt - die Lehrer selbst oder ihre ehemaligen Professoren an den Unis - vermag ich nicht zu sagen. Zu Vernachlässigen ist dieses Unwissen jedenfalls nicht, handelt es sich doch ausgerechnet bei der Kreuzigung um ein zentrales Ereignis der christlichen Religion.

Beinahe gleich oft missverstanden wird die Handlungsweise eines weiteren Soldaten (Longinus), der Jesus im Zuge der Kreuzigung eine Lanze in die Seite stieß. Auch das geschah aus Mitleid! Denn Gekreuzigte starben in der Regel nicht an Blutverlust, der vom 'Annageln' herrührte, sondern vielmehr erstickten sie langsam und qualvoll. Dieser Vorgang konnte sich über Tage hinziehen. Der bei der Kreuzigung von Jesus beschriebene Lanzenstich des Soldaten verkürzte also die Qualen auf drastische, aber wirkungsvolle Weise. 
Näheres zum Erstickungstod am Kreuz findet sich in meinem Blogbeitrag mit dem Titel: Die Fersen ans Kreuz genagelt


Am Schluss noch ein paar kleine Zusatzbemerkung: Die oben verwendete Darstellung (HQ) aus dem Rabbula-Evangeliar beinhaltet einige schöne Details bezüglich merowingerzeitlicher Kleidung, Frisuren und Waffen. Darunter, im Falle des Longinus, ein eigenartiger 'Gürtel', der wie ein um die Mitte gewickeltes, verknotetes Tuch aussieht.
Bemerkenswert ist auch, dass der rechte 'Legionär' (Stephaton mit dem Essigschwamm) eine ungegürtete Tunika trägt. Galt das doch in der römischen Armee als Zeichen der Entehrung und wurde dementsprechend gezielt als Strafmaßnahme eingesetzt. Ob dies dem mittelalterlichen Künstler bekannt war? Wahrscheinlich nicht.
Antikisierende Elemente könnten sich ebenfalls eingeschlichen haben, wie z.B. die Tuniken der links und rechts Gekreuzigten vermuten lassen. Die dunklen 'Flecken' schauen mir nämlich stark nach typisch spätantiken Zierstickereien aus. Wobei andererseits dergleichen zur Entstehungszeit des Evangeliars noch nicht gänzlich aus der Mode war - zumindest im Oströmischen Reich. Kurz gesagt: Interessant, aber nichts Genaues weiß man nicht ...

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Dienstag, 5. Dezember 2017

Hörbares: Die Schlacht bei Issos -- Das Ägyptische Totenbuch -- Nordische Mythologie -- Kaspar Hauser -- Die Geschichte des Bildungsbügertums




Die Schlacht bei Issos | Spieldauer 37 Minuten | DF Nova | Stream & Info | Direkter Download

Das Ägyptische Totenbuch - Reiseführer für das Jenseits | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Kampf um Thor - Nordische Mythologie und ihre Rezeptionsgeschichte | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Kaspar Hauser - Die rätselhafte Geschichte eines Findelkinds | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Wissen als Währung - Die Geschichte des Bildungsbügertums | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
"Bildungsbürger" - heute wird dieses Wort oft abschätzig gebraucht,..." heißt es. Na warum wohl? Ob das vielleicht auch damit zu tun hat, dass in den letzten Jahrzehnten die Bildungsstandards absichtlich massiv abgesenkt wurden und die meisten Universitäten infolgedessen längst zu reinen Titelmühlen verkommen sind? Der Vater eines guten Freundes war als Universitätsprofessor (Biologie) tätig und hatte dabei im Laufe der Zeit auch etliche Doktoranden zu betreuen. Er meint, vieles von dem, was in seinem Fach mittlerweile an Dissertationen durchgewunken wird, hätte vor 30 Jahren noch nicht einmal als Master- bzw. Magisterarbeit getaugt. Und er fügt hinzu, in den Geisteswissenschaften sei es noch viel schlimmer ...
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Montag, 4. Dezember 2017

Videos: Hightech-Archäologie -- Forschungstaucher -- Historische Frisuren




Sachgeschichte: Hightech-Archäologie  | Spieldauer 15 Minuten | ARD /WDR | Stream & Info
Eine Kindersendung zwar, nichtsdestotrotz werden hier Luftbildarchäologie, Geo-Prospektion und Co. auch für Erwachsene in sehr gelungener Weise erklärt! Schade nur, dass der große Rest des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht ähnlich qualitätvoll ist ...
Forschungstaucher: Bei Auftrag - Abenteuer! | Spieldauer 60 Minuten | ARD /NDR | Stream & Info

Die Frisur geht mit der Zeit | Spieldauer 3 Minuten | ARD /WDR | Stream & Info

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Sonntag, 3. Dezember 2017

Buch: Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen – Schuhe des Hoch- und Spätmittelalters

Aus der Reihe Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen (Zauberfeder Verlag) stammt das Buch Schuhe des Hoch- und Spätmittelalters, in dem der Schustermeister Stefan von der Heide (Meister Knieriem) Schritt für Schritt die Herstellung mittelalterlicher 'Fußbekleidung' erläutert: Angefangen beim richtigen Maßnehmen, den benötigten Werkzeugen sowie Materialien bis hin zu den bildlich detailliert dargestellten Arbeitsschritten.
Autor und Verlag wollen hier, wie es heißt, handwerklich begabten Menschen einen Leitfaden zur Verfügung stellen, mit dessen Hilfe und etwas Geduld es möglich sein soll, ansehnliche und gut tragbare Schuhe unterschiedlichster Art und Zeitstellung (1150-1500) anzufertigen.

Das zentrale Schlüsselwort ist hier "Geduld". Da ich darüber nicht im nötigen Ausmaß verfüge 😊, beauftrage ich lieber Profis wie den Autor mit der Schuhherstellung (siehe hier). 
Mein Interesse an diesem Buch beruht deshalb auch eher darauf, mehr über das Schusterhandwerk und mittelalterliche bzw. wendegenähte Schuhe erfahren zu wollen. In der Hinsicht wurde ich auch keinesfalls enttäuscht, kann aber freilich aufgrund fehlender Überprüfung in der Praxis nicht sagen, wie leicht es einem absoluten Laien tatsächlich fällt, mithilfe dieses Buchs für sich passende Schuhe anzufertigen. Siehe z.B. das nachfolgende Bild, das dem Kapitel über die Herstellung eines Schnabelschuhs entnommen wurde. So wie hier, darf man sich auch die meisten anderen Anleitungen vorstellen.


Ein wenig schade ist, dass bei den Herstellungsanleitungen der unterschiedlichen Schuhmodelle nicht kurz die zugrundeliegenden historischen/archäologischen Quellen genannt werden Das würde den Nutzen des Buch vor allem für Living-History-Hobbyisten zusätzlich steigern. Aber immerhin, die entsprechende Zeitstellung wird jeweils genannt.

Sehr interessant war für mich ein über vier Seiten gehender 'Zeitstrahl' (siehe nachfolgende Abbildung), an dem mittels unterschiedlicher Schuhmodelle die Entwicklung der Schuhmode in Europa von ca. 1150 bis 1500 illustriert wird. Wobei, wie es heißt, bestimmte modische Veränderungen möglicherweise von Klimaschwankungen beeinflusst worden sind: Kältere und feuchtere Perioden führten beispielsweise zu einer Zunahme hoher Schuhe bzw. Stiefel. Das hört sich nicht unlogisch an.



Absolut nützlich ist das Kapitel  "Verlängern der Tragedauer", in dem neben Reparaturanleitungen Hinweise zur Pflege mittelalterlicher Schuhe gegeben werden. Beispielsweise ist das Fett von Landsäugetieren für die Lederpflege ungeeignet, hingegen können Fischtrane oder bestimmte Pflanzenöle verwendet werden (in diesem Zusammenhang ist mir eingefallen, dass ja schon Cato der Ältere schreibt, zur Lederpflege eigne sich Ölschaum - ein Nebenprodukt beim Pressen von Oliven - besonders gut). 
Der Autor weist freilich darauf hin, dass im Mittelalter (täglich getragene) Schuhe wahrscheinlich nur 3-4 Monate gehalten haben und daher ohnehin nicht übermäßig viel gepflegt wurden. Oft hat man sie nicht einmal repariert, sondern ausgeschlachtet und das hierbei gewonnene Leder für die Herstellung neuer Schuhe verwendet. 


Fazit: Man merkt, dass dieses 80-seitige Buch von jemanden geschrieben wurde, der nicht nur ein handwerklicher Fachmann ist, sondern auch selbst Erfahrungen mit Reenactment bzw. Living History gesammelt hat. Die Illustrationen sind reichhaltig und das Layout wirkt sehr liebevoll gemacht. Der Kaufpreis beträgt knapp 25 Euro.



Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Schuhmode im Hoch und Spätmittlelater

Am Anfang steht der Fuß
- Anatomische Grundlagen
- Maßnehmen
- Leisten

Material und Werkzeug
- Werkzeug
- Leder
- Gerbverfahren
- Pech

Schaft
- Schaftkonstruktion nach Winkelsystem
   Schaftkonstruktion für Halbschuhe
   Schaftkonstruktion für überknöchelhohe Schuhe, halbhohe Schuhe und Halbstiefel
   Schaftkonstruktion für kniehohe Stiefel
   Schaftkonstruktion für Lersen

Grundmodelle von Schuhtypen
- Halbschuh
   mit Ristschnürung (11./12. Jh.)
   mit seitlichem Schnürverschluss (Ende 12. bis Anfang 14. Jh.)
   mit seitlichem Schnallenverschluss(13.-15. Jh.)
   als Schnabelschuh (2. Hälfte 14. Jh.) 
   mit vorderem Schnürverschluss und Lasche (13.-15. Jh.)
   als Schnabelschuh (2. Hälfte 14./15. Jh.) 
   mit seitlicher Schnürung vor dem Innenknöchel (Ende 12. - 14. Jh.) 
- Überknöchelhoher Schuh
  mit seitlichem Schnürverschluss (13./14. Jh.)
- Halbhoher Schuh
  mit seitlichem Schnürverschluss (14./15. Jh.) 
  mit umlaufendem Schnürverschluss(12./13. Jh.) 
  mit Schließen (14.-15. Jh.) 
  mit vorderem Schnürverschluss, in der Mitte gebunden (14./15. Jh.) 
  mit vorderem Schnürverschluss, seitlich gebunden (14./15. Jh.) 
  mit Knöpfriegelverschlüssen (Ende 13. - 15. Jh.)
  Bundschuh (2. Hälfte 15./16.  Jh.) 
- Halbstiefel
  mit umlaufendem Schnürverschluss (12.-14. Jh.) 
  mit vorderem Schnürverschluss (14./15. Jh.)
  mit Knöpfriegelverschlüssen  (13.-15. Jh.) 
  mit Schließen (Ende 14. - 15. Jh.)
- Stiefel
  Kniehohe Stiefel (13.-15. Jh.) 
  Lersen  (14./15. Jh.) 

Schaftfertigung
- Zuschneiden
- Pechdraht
- Eindrehen einer Schweinsborste
- Einsetzen eienr Stahlborste
- Nahtarten am Schaft
- Schaftmontage

Bodenbau
- Sohlenformen
- Zwicken
- Sohlennaht
- Herausziehen der Leisten
- Umwenden der Schuhe
- Schnabel

Verlängerung der Tragedauer
- Schuhpflege
- Sohlen- und Schaftreparaturen
- Innensohlen
- Teilsohlen
- Trippen

Glossar

Quellenangaben

Bezugsquelle

Danksagung

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Weitere Informationen:

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Donnerstag, 30. November 2017

Hiltibolds Advent-Buchverlosung 2017

Mit den Erlösen der Amazon-Partnerlinks auf diesem Blog (zu finden am Ende all meiner Rezensionen), finanziere ich auch dieses Jahr wieder eine kleine Buchverlosung für die Leser. Teilnehmen kann jeder mit einer einfachen Gruß-E-Mail an hiltibold((at))gmail.com. Der Betreff lautet: Buchverlosung 2017 

Wer übrigens nur an der Verlosung bestimmter Bücher teilnehmen möchte, weil ihn die anderen nicht interessieren, den bitte ich, mir das in seiner E-Mail gleich mitzuteilen.

Die Bekanntgabe der Gewinner (Vorname und Anfangsbuchstabe des Nachnamens) erfolgt hier im Blog. Außerdem schreibe ich die Glücklichen an, damit sie mir ihre Anschrift übermitteln können, an die die Bücher geschickt werden sollen.

Die Verlosung bzw. die Bekanntgabe der Gewinner findet voraussichtlich an folgenden Tagen statt: 
1. Verlosung: Do.  07. Dezember
2. Verlosung: Mo. 11. Dezember
3. Verlosung: Sa.  16. Dezember
4. Verlosung: Sa.  23. Dezember

Je früher jemand seine Teilnahme per E-Mail wegschickt, an umso mehr der insgesamt vier Verlosungen kann er teilnehmen. Wer schon einmal etwas gewonnen hat, scheidet für die noch anstehenden Verlosungen aus.

Wie schon im Vorjahr sind auch diesmal nur Bücher ausgewählt worden, die ich selbst bereits gelesen habe und daher weiterempfehlen kann:





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Meine Rezensionen der Bücher: