Donnerstag, 22. Februar 2018

Krimskrams: Neues von der Geschichtsdoku (mit mir?) -- Rätselhafte Buchpreise bei Amazon



Neues von der Geschichtsdoku (mit mir?)

Seit meinem ersten Beitrag zu diesem Thema habe ich weitere Detailinformationen von jener Produktionsfirma erhalten, die mich gerne als Darsteller und als Berater für eine Geschichtsdokumentation engagieren möchte. Nicht alles davon darf ich öffentlich ausplaudern, einiges aber doch.

Die (nach dem Schnitt) insgesamt rund 14 Minuten umfassenden Spielszenen (ursprünglich war von 10 Minuten die Rede) werden wohl im September/Oktober diesen Jahres und im Februar kommenden Jahres gedreht. Drehorte sind die schöne Bärenschützklamm in der Steiermark, die Donauauen in Niederösterreich und ein bisher noch nicht ausgewähltes Freilichtmuseum mit frühmittelalterlichen Bauten. Insgesamt sollen 7 Personen in den Spielszenen als Darsteller mitwirken (z.T. in wechselnder Verkleidung bzw. wechselnden Rollen). Drei davon würden Living-History-Leute sein, außerdem zwei Profi-Schauspieler und zwei Kinder als zusätzliche Komparsen.

Die Handlung ist im frühen 10. Jahrhunderts angesiedelt. Es soll dabei um die Lex Baiuvariorum und einen freien Mann gehen, der unrechtmäßig versklavt wurde und jetzt auf der Flucht durch die mit Wölfen, Luchsen usw. besiedelten Urwälder der damaligen Zeit ist. Es handelt sich hier also nicht nur um eine Geschichtsdoku, sondern auch um einen Naturfilm.

Ob ich mich an der Produktion beteiligen werde, hängt vor allem davon ab, wie weit das schlussendlich als Drehort gewählte Freilichtmuseum von mir entfernt liegt und ob ich mehrmals dorthin anreisen müsste. Für den Fall, dass ich ablehnen sollte, habe ich den Dokumachern schon versprochen, dass ich mich hier nach einem geeigneten Ersatzmann umhören werde, der ca. zwischen 30 und 45 Jahre alt sein muss und außerdem mindestens so gut wie ich aussehen sollte - was freilich schwierig ist 😁

Übrigens, mehrere Personen, die bereits als Darsteller an TV-Dokumentationen mitwirkten, haben sich zwischenzeitlich gemeldet und ihre Erfahrungen mit mir geteilt. Der Tenor lautet, dass es für sie auf jeden Fall ein interessantes Erlebnis war.

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Rätselhafte Buchpreise bei Amazon



Das gleiche Buch aus der Tusculum-Reihe kostet auf der Webseite Amazon.de in einem Fall 49,95 Euro, in einem anderen Fall satte 115,11 Euro! Das günstiger Angebot stammt von Amazon selbst, das sündhaft teure von einem Marketplace-Händler, der an der US-Westküste sitzt. 

Mir stellt sich hier die Frage: Wer bestellt denn ein deutschsprachiges Buch, dass hierzulande deutlich billiger zu haben ist, ausgerechnet in Amerika? Der US-Händler kann doch nicht ernsthaft annehmen, dass man ausgerechnet bei ihm bestellt? Sein Angebot würde - meiner Ansicht nach - bestenfalls einen Sinn auf der US-Seite von Amazon ergeben. 

Mittwoch, 21. Februar 2018

Videos: Römischer Zement -- Archäologie in 3D -- Mit Lego-Steinen durch die Geschichte



➽ Römischer Zement - Baustoff für die Ewigkeit | Spieldauer 7 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

➽ Drohnen und Archäologie in 3D | Spieldauer 6 Minuten | DW | Stream & Info

➽ Mit Lego-Steinen durch die Geschichte | Spieldauer 2 Minuten | DW | Stream & Info

➽ Drohnenflug über  dem mittelalterlichen Zons | Spieldauer 4 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

 "Łužyca" - Die Zeitreise | Spieldauer 7 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info
Hier geht es um die sorbische/wendische Geschichte, vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Interessant daran ist, dass alles in sorbischer Sprache vertont wurde, mit deutschen Untertiteln. Allerdings hört sich das slawische Sorbisch meiner Meinung nach ein bisschen seltsam an - ähnlich dem kärntnerischen Slowenisch, weil der deutsche Akzent der Sprecher recht stark durchscheint.
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  Mehr Videos


Dienstag, 20. Februar 2018

Hörbares: Kopernicus -- Paläogenetik -- Maya-Siedlung -- Die Hinkelsteine von Carnac -- usw.



 Nikolaus Kopernikus | Spieldauer 35 Minuten | DF Nova/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Paläogenetik - Das Archiv der Knochen | Spieldauer 29 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Laserscan im Dschungel: Maya-Siedlungen waren Forschern bereits bekannt | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Steinerne Fragezeichen: Die mysteriösen Hinkelsteine von Carnac | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Der Isenheimer Altar: Die Gegenwart des Entsetzlichen | Spieldauer 19 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Jacob und Wilhelm Grimm - Auf der Suche nach unbekannten Wortschönheiten | Spieldauer 12 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 18. Februar 2018

Buch: Römische Geschichte (Florus)

Die von Florus zur Zeit Trajans oder Hadrians verfasste "Römische Geschichte" ist vor allem eine stark geraffte Zusammenfassung des 100 Jahre zuvor entstandenen, heute nicht mehr vollständig überlieferten Geschichtswerks Ab urbe condita des Geschichtsschreibers Livius. Darüber hinaus bezieht Florus aber auch andere Autoren/Quellen mit ein - z.B. Cato d. Ä., Sallust, Lukan usw.
Inhaltlich liegt der Schwerpunkt klar auf der Kriegsgeschichte - aber auch innerrömische Polit-Konflikte werden geschildert. Der behandelte Zeitraum erstreckt sich von der mythischen Zeit (Romulus) bis ins frühe 1. Jahrhundert n. Chr. (Augustus). 
Florus "Römische Geschichte" war in der Antike und auch im Mittelalter sehr beliebt, was daran abzulesen ist, dass davon heute noch über 190 Handschriften erhalten sind. 

Die vorliegende Ausgabe der Wissenschaftliche Buchgesellschaft ist zwar nur einsprachig, allerdings wurde der lateinische Text von Günter Laser in ein leicht verständliches, zeitgemäßes Deutsch übertragen.
Der Inhalt des Buchs ist sehr übersichtlich in 47 (mehr oder weniger) chronologisch geordneten Kapitel unterteilt (im Unterschied etwa zu Tacitus' Historien und Annalen, in denen alles in einer einzigen Wurst heruntergeleiert wird).
Erfreulicherweise wurden den geschilderten Ereignissen oft in Klammern die dazu dazugehörenden Jahreszahlen nach unserer modernen Zeitrechnung beigefügt. Neben einer Einleitung und erklärenden Endnoten/Anmerkungen, gibt es auch ein Register mit Personen-, Länder- und Ortsnamen.

Fazit: Wem - wie auch bereits vielen Menschen in der Antike - Livius' Ab urbe condita zu umfangreich und detailliert ist, der kann zu Florus greifen. Ja, ich würde sogar sagen, wer noch nie die Übersetzung eines antiken Geschichtswerks gelesen hat, der macht nichts falsch, wenn er zum Einstieg diese durchaus gelungene Ausgabe wählt. Der Preis des Buchs beträgt knapp 25 Euro.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:


Freitag, 16. Februar 2018

Hörbares: Museum für Sepulkralkultur in Kassel -- Ausstellung "Archaeomusica" -- Tempelanlage Ain Dara zerstört -- Kingdom Come Deliverance usw.



➽ Dirk Pörschmann vom Museum für Sepulkralkultur in Kassel | Spieldauer 11 Minuten | HR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Tempelanlage Ain Dara zerstört | Spieldauer 5 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Ausstellung: "Archaeomusica" - 40.000 Jahre Musikgeschichte Europas | Spieldauer 6 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Computerspiel "Kingdom Come Deliverance": Der interaktive Historien-Schinken | Spieldauer 4 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Siegelabdrücke der griechisch-römischen Götterwelt: Iupiter Dolichenus - der antike Stadtgott von Doliche | Spieldauer 7 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Donnerstag, 15. Februar 2018

Ab urbe condita, 1.-5. Buch

Ein Historiker im modernen Sinn war Livius († um 17 n. Chr.) nicht. Weil es ihm ein Anliegen war, seine Leserschaft im Sinne einer moralischen Erneuerung Roms zu belehren, neigt er beispielsweise dazu, Begebenheit, die seiner Deutung der Geschichte widersprechen, einfach unter den Teppich zu kehren oder umzudichten. Trotzdem stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß er selbst der Urheber fragwürdiger Überlieferungen ist. Denn einige der von der modernen Forschung kritisierten Ungereimtheiten könnten bereits in jenen alten Quellen zu finden gewesen sein, aus denen Livius seine Informationen bezog. Da er diese allerdings nur selten nennt - und die meisten ohnehin nicht mehr existieren - ist eine entsprechende Überprüfung schwierig bis unmöglich. Interessanterweise äußert sich Livius jedoch mitunter durchaus quellenkritisch.

Livius' großes Geschichtswerk Ab urbe condita umfasste ursprünglich 142 Bücher; diese sind allerdings nur teilweise überliefert. Zeitlich beginnt er seine Schilderungen - anders als der Titel vermuten lässt - nicht mit der Gründung von Rom durch Romulus, sondern schon einige Jahre zuvor, als angeblich der trojanische Held Aeneas in Italien landete. Mythen wie dieser sind es dann auch, die die ersten Bücher der vorliegenden Ausgabe von Reclam inhaltlich prägen. Als historische Quelle ist dergleichen unbrauchbar, könnte man nun urteilen. Doch die von Livius verarbeiteten Sagen beinhalten viele wichtige Informationen, die helfen, die Kultur und die Religion des antiken Roms zu verstehen. Darüberhinaus weist er auf sich stark unterscheidender Varianten von auch heute noch berühmten Erzählungen hin. So wurden etwa die Zwillinge Romulus und Remus in einer dieser Varianten gar nicht von einer Wölfin gesäugt - vielmehr sei es Larentia, die Frau eines Hirten, gewesen. Diese hatten ihre Zeitgenossen aber, wie es heißt, lupa (Wölfin) genannt, weil sie "ihren Leib wahllos preisgab". Damit wird auf den Umstand angespielt, dass lupa im antiken Rom die Bezeichnung für eine Prostituierte war.
Livius beschäftigt sich freilich nicht ausschließlich mit der Mythologie Roms. Vielmehr nimmt im Laufe der Zeit auch die Dichte an historisch greifbaren Ereignissen zu; dazu zählt beispielsweise die im 5. Buch geschilderte Eroberung Roms durch Brennus und seine Gallier. Des Weiteren lässt Livius sozusagen 'en passant' immer wieder Informationshäppchen fallen, die für die Altertumsforschung aufgrund kaum vorhandener anderer Quellen von großer Bedeutung sind. Etwa wenn es heißt, dass viele Machtsymbole der hohen römischen Amtsträger - wie die purpurgesäumte Toga, der Kurulische Stuhl und die Liktoren - von den Etruskern übernommen wurden.

Die vorliegende zweisprachige Übersetzung der ersten fünf Livius-Bücher stammt von Robert Feger, Ludwig Fladerer und Marion Giebel. Der lateinische Originaltext wurde von ihnen in ein modernes, allgemein verständliches Deutsch übertragen. Außerdem sind ein umfangreiches Verzeichnis der Eigennamen, zwei Karten, viele erklärende Anmerkungen/Endnoten und ein relativ ausführliches Nachwort enthalten. Einziger 'Mangel': Der Billigeinband. Das rund 1100 Seiten umfassende Buch kostet 24 Euro. 

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:


Dienstag, 13. Februar 2018

Hiltibolds aktuelle Leseliste: Die konstantinische Petersbasilika -- Erdbeben in der Antike -- Ciceros Reden gegen Verres

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Da ich es gerne abwechslungsreich habe, lese ich in der Regel mehrere Bücher 'parallel'. Zum Teil möchte ich sie zukünftig in dieser Rubrik kurz vorstellen - besonders wenn es sich um Neuerscheinungen handelt. Ausführlichere Rezensionen werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.


 Die Konstantinische Petersbasilika am Vatikan in Rom | von Hugo Brandenburg | Verlag Schnell + Steiner | 2017 | Preis: 24,95 € | Infos bei Amazon
Ein informatives, aber nicht allzu weitschweifiges Buch mit vielen schönen Rekonstruktionsgrafiken der alten Petersbasilika. Es ist fast zum Weinen 😢, dass dieser großartige spätantike Kirchenbau im 16. Jahrhundert abgerissen wurde, um ihn durch einen 'neumodischen' Renaissancebau zu ersetzen.
➽ Erdbeben in der Antike | herausgegeben von J. Borsch und L. Carrara | Verlag Mohr Siebeck | 2017 | Preis: 59 € | Infos bei Amazon
Das Buch enthält verschiedene wissenschaftliche Beiträge zum Thema Erdbeben in der Antike. Angefangen bei den archäologischen Schadensbildern, der Darstellung in der Kunst, der Erwähnung solcher Katastrophen in den antiken Quellen usw. Alles in allem interessant, aber relativ teuer. Außerdem sind einige wenige Beträge in englischer Sprache - was ich bei Publikationen, die sich primär an deutschsprachige Leser richten, eher suboptimal finde. Vorbildlich sind hingegen die Fußnoten bzw. Quellenangaben, sodass sich mit diesem Buch gut arbeiten lässt.
 Reden gegen Verres III | von Cicero (Übers.: Gerhard Krüger) | Reclam Verlag | 1988/2015 | Preis: 6,60 € | Infos bei Amazon
Ciceros insgesamt fünf Gerichtsreden gegen Gaius Verres, den schurkischen Statthalter von Sizilien, zählen meiner Ansicht nach zu den wichtigsten Quellen über die gesellschaftlichen Zustände im Rom der späten Republik (meinem Lieblingsabschnitt der römischen Geschichte). Sämtliche Reden wurden bei Reclam in Form von zweisprachigen Übersetzungen veröffentlicht. Übrigens, der erste Teil von Robert Harris' Cicero-Triologie baut inhaltlich sehr stark auf genau diesen Reden auf. 

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 Alle meine Rezensionen


Montag, 12. Februar 2018

Hörbares: Der deutsche Marco Polo -- Das Lidar-Verfahren der Archäologen -- Maya-Siedlung neu entdeckt -- usw.



➽ Johannes Schiltberger - Der deutsche Marco Polo | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Ernährungshistoriker Andreas Klumpp: Was speisten die Bayern, als es weder Tomaten noch Kartoffeln gab? | Spieldauer 71 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Das Lidar-Verfahren - Wie die Archäologie mit Luftscans arbeitet | Spieldauer 7 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Große Maya-Siedlung neu entdeckt | Spieldauer 7 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Zerstörung von Kulturgut in Syrien | Spieldauer 5 Minuten | DF Nova/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 11. Februar 2018

Das Twitter-Pos(t)ing eines Selfie-Archäologen



Ich bin ja kaum bei Twitter aktiv - wenn man von den automatisiert veröffentlichten Links zu meinen Blogbeiträgen absieht. Trotzdem beobachte ich die Vorgänge auf dieser Plattform ein wenig. Dabei stieß ich kürzlich auf die Wort-Kaskaden eines Archäologen, der unter dem Namen "Buddler" firmiert. Bedauerlicherweise nutzt dieser seine offenbar reichlich vorhandene Freizeit nicht dazu, um neue Sendungen seines ganz passabel gemachten Archäologie-Podcasts "Angegraben" zu produzieren, sondern brennt lieber Tag für Tag bei Twitter ein regelrechtes Feuerwerk an mitunter eher grenzintelligenten Wortspenden ab.

'Jo mei', könnte man an dieser Stelle konstatieren, zum Plappern ist diese Plattform schließlich da. In der Tat, doch ist es fragwürdig, wenn man - wie der gute Buddler - sich einerseits beruflich in der Geschichtswissenschaft herumtreibt, aber andererseits auf Twitter eben genau diese Geschichtswissenschaft als Tool für politische Meinungsmache zweckentfremdet. Konkret geht es dabei um folgenden Tweet:
Das Wort "Heimat" leitet sich von der indogermanischen Wurzel "kei" ab, was soviel wie "Ort an dem man sich niederlässt" bedeutet. Es entstand also in einer Zeit, in der unsere Vorfahren selbst Migranten waren.
Nun ist selbstverständlich sofort jedem mitdenkenden Menschen klar, dass hinter solchen Aussagen - besonders in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation - eine bestimmte Absicht steckt. Betrachtet man den inkriminierten Tweet im Kontext des restlichen 'Gezwitschers' dieses Herren, dann erhält man eine recht gute Vorstellung, was hier mehr oder weniger insinuiert werden soll: Weil auch wir Nachkommen von Migranten sind, möge man doch bitte die derzeitigen Migrationsströme gelassener, solidarischer und mit mehr Empathie betrachten. 
Keine Frage, es ist schon legitim, so eine Meinung zu vertreten. Allerdings muss der bemühte Vergleich - besonders wenn er von einem Archäologen kommt - bestenfalls als naiv, schlimmstenfalls als manipulativ oder strohdumm bezeichnet werden. Denn es ist ein großer Unterschied, ob menschenreiche Wanderbewegungen in weitestgehend un- oder dünn besiedelten Gegenden stattfinden - wie zur Zeit der Indoeuropäer - oder in einem außerordentlich  dicht bevölkerten Gebiet mit empfindlichen, genau austarierten staatlichen und sozialen Strukturen. Überdies kann ausgerechnet  die Archäologie anhand etlicher Zerstörungshorizonte aus verschiedenen Epochen wie der Spätantike nachweisen, welche Auswirkungen es mitunter hat, wenn kulturell heterogene Völker aufeinandertreffen.
Sollte freilich der Buddler den auffällig oft anzutreffenden Brandschutt als Überbleibsel einer ausgeprägten Barbecue-Kultur missinterpretieren, dann sei ihm dringend geraten, z.B. einen Blick in die Severin-Vita des Eugippius oder in die Gotengeschichte des Jordanes zu werfen. Sofern ihm solche edukativen Aktivitäten neben dem ausgiebigen 'Gezwitscher' überhaupt noch möglich sind 😉

Auf die entsprechende inhaltliche Kritik, die seine Twitter-Blase vereinzelt durchdrang, reagiert der Buddler vorhersehbar wie der berühmte Pawlowsche Hund: Es können nur Fremdenfeinde sein, die seinen Erguss bemängeln (und es nicht ertragen, wenn man sie auf den Umstand aufmerksam macht, dass auch ihre Vorfahren Migranten waren).
Wow, es ist ein wahres Tabernakel der Magie, das sich hier auftut. Scheinbar verfügt der gute Mann über die Fähigkeit, die geheimsten Gedanken seiner Kritiker zu lesen! Oder ist er lediglich ein mit schwerkaliebrigen Schmähworten hantierender Rabulist, der Andersmeinenden eine besonders niedrige Gesinnung unterstellt, um sich dadurch selbst moralisch zu erhöhen?

Weil dem Buddler insgeheim wohl bald klar wurde, dass er bei seinem Ausflug in die Etymologie Äpfel mit Birnen verglichen hat, schob er schließlich noch ganz unschuldig nach, dass es ihm ja nur darum gegangen sei, Bedeutung und Wandelbarkeit des Begriffs "Heimat" zu veranschaulichen.
Dieses fadenscheinige Wortgeknatter glaubt ihm freilich bestenfalls sein Zirkel Gleichgesinnter aus dem Caffè-Latte-Milieu, dessen Mitglieder sich auf Twitter gegenseitig hochpumpen  😊

Kommen wir zum Fazit, des länger als geplant geratenen Beitrags: Was dieser Selfie-Archäologe und ähnlich gestrickte Vertreter der Geschichtswissenschaft in den sozialen Medien betreiben, ist zum einen nichts anderes als politisches korrektes Posing bzw. das Heischen um Sozialprestige. Geschenkt!
Zum anderen wird leider auch versucht, für ein in der Gegenwart beheimatetes Anliegen, Argumente in der Vergangenheit zu finden - koste es, was es wolle. Wer dergestalt agiert, disqualifiziert sich als glaubwürdiger Geschichtsforscher. Frei nach einem Songtext der Schmuse-Band Bon Jovi, kann man diesen Leuten daher nur folgendes ins Stammbuch schreiben
You give historical science a bad name!

Samstag, 10. Februar 2018

Buch: Kleopatras Nase

Bei Kleopatras Nase (S. Fischer Verlag) handelt es sich um eine bunte Sammlung überarbeiteter Buchrezensionen mit Bezug zur Antike. Die Autorin und Althistorikerin Mary Beard spart darin nicht mit Kritik. Etwa wenn sie auf neuere Untersuchungen an Skeletten hinweist, welche die in jüngerer Zeit populäre Vorstellung widerlegen, wonach das römische Pompeji ein ethnischer Schmelztopf gewesen sei. Zwar dürfte die vom Vesuv verschüttete Stadt ein gewisses multikulturelles Flair besessen haben (z.B. abzulesen an Tempeln außeritalischer Götter wie Isis),  das Genmaterial der einstigen Einwohner weist hingegen keine übermäßige Vielfalt auf. Eher könne man schon fast von Inzucht sprechen, heißt es.
Weiters verdeutlicht Beard anhand interessanter Beispiele, dass ein präzises Übersetzen alter lateinischer oder griechischer Texte aufgrund mehrdeutiger Formulierungen oft unmöglich ist. Überdies hätten bereits römische Geschichtsschreiber geschlampt; Livius etwa übersetzte den griechischen Begriff für Schilde irrtümlich mit "Türen", was den von ihm geschilderten  Kampfhandlungen in einem unterirdischen Gangsystem eine absurde Note verlieh.
Die Autorin scheut auch nicht vor Äußerungen zurück, die in ihren eigenen wissenschaftlichen Kreisen umstritten sind: Sie bemängelt nicht nur das mitunter leichtfertige Vertrauen in die Methoden der Altertumsforschung, sondern auch das zunehmende Bestreben, den Antikenhandel als grundsätzlich unmoralisch zu brandmarken und abzuwürgen: "Die Vorstellung, von einer Welt, in der Kunst dort bleiben müsste, wo sie geschaffen wurde, ist ein schrecklicher Albtraum." Dass dergleichen in der Realität geradezu fatal sein kann, wird an anderer Stelle anhand antiker pompejanischer Wandmalereien verdeutlicht: Jene, die im 18. und 19. Jahrhundert von den Wänden entfernt und z.T. privaten Sammlungen eingegliedert wurden, haben die Zeiten überwiegend gut überstanden. Der große Rest jedoch, der vor Ort Wind und Wetter ausgesetzt blieb, ist heute nicht selten bis zur völligen Unkenntlichkeit verblichen bzw. zerstört.

Freilich, auch Frau Beard selbst muss sich ein bisschen Kritik gefallen lassen. So behauptet sie beispielsweise kategorisch, die berühmten Nemi-Schiffe Caligulas seien im 2. Weltkrieg von deutschen Bomben zerstört worden. Diese Darstellung ist jedoch unzutreffend, denn in Wirklichkeit ist bis heute völlig ungeklärt, wer den Brand des Museums, in dem sich die Schiffe befanden, tatsächlich ausgelöst hatte. Verdächtigt werden nicht nur Wehrmachtssoldaten, sondern auch die US-Army und sogar Kriegsflüchtlinge, die vor Ort kampierten. 


Fazit: Kleopatras Nase ist ein abwechslungsreiches, interessantes und kurzweiliges Buch. Da die unterschiedlichen Themen in Schlaglicht-Form behandelt werden, bleibt natürlich manches relativ oberflächlich. Allerdings wird am Ende der einzelnen Kapitel auf die jeweiligen Quellen bzw. Bücher verwiesen. Überwiegend sind diese nur in englischer Sprache erschienen, allerdings finden sich dabei auch einige deutsche Ausgaben. Interessant ist das für jene Leser, die - wie ich - aufgrund von Beards Rezensionen Lust auf mehr bekommen haben. Der Preis für die Hardcover-Ausgabe beträgt 26 Euro.

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