Donnerstag, 27. Juli 2017

Hiltibold verabschiedet sich in den Urlaub



Das Blog pausiert für vier Wochen. Ich werde die Zeit für alles mögliche nutzen: Zum einen ist etwas in ottonischer Ausstaffierung geplant, zum anderen möchte ich endlich den Retro-Spiele-PC ausgiebig ausprobieren, den ich mir kürzlich aus ca 15 Jahre alter Hardware zusammengebaut habe. Return to Castle Wolfenstein, diverse Teile von Command & Conquer, Star Trek Voyager Elite Force und ein paar weitere Klassiker liegen schon bereit. Zuerst wird allerdings verreist.

Voraussichtlich am 03. September geht es hier wieder weiter. Bis dahin wünsche ich allen Lesern noch einen angenehmen Sommer!

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PS: Kommentare sind auch während meiner Pause willkommen - das Freischalten kann mitunter aber mehrere Tage dauern, da ich nur selten Online sein werde. Selbiges gilt für das Beantworten von E-Mails.

Wie kamen die Juden ins antike Rom?




Bereits im frühen 1. Jh. nach Christus sollen in Rom mindestens 30.000 Juden gelebt haben. Das waren gut 4 Prozent der städtischen Bevölkerung, die für die Regierungszeit von Augustus/Tiberius auf insgesamt 700.000 Personen geschätzt wird. 
Philo von Alexandria, der 40 n. Chr. als Gesandter Rom besuchte, berichtet, dass quasi der ganze Stadtteil Trastevere (Transtiber-Distrikt) fest in jüdischer Hand gewesen sei. Auch zwischen der Porta Collina und der Porta Esquilina sowie vor der Porta Capena sollen viele Juden gelebt haben - die überwiegend das römische Bürgerrecht besaßen, untereinander aber wohl nicht Latein, Hebräisch, oder Aramäisch sprachen, sondern Griechisch, da ihre Wurzeln zumeist in den stark hellenisierten Gebieten der östlichen Mittelmeeerküste lagen.


Der Krieg als der Vater aller Dinge

Die meisten stadtrömischen Juden dürften entweder Sklaven oder Ex-Sklaven - sogenannte Freigelassene - gewesen sein. Womit sie keine Ausnahme darstellten, denn es wird angenommen, dass im frühkaiserzeitlichen Rom bis zu 80 Prozent der Einwohner einer dieser beiden beiden Gruppen angehörten.
Grund: Die zahlreichen siegreich geführten Kriege Roms sorgten für einen beständigen Strom an neuem Menschenmaterial. Jene Kriegsgefangenen, die nicht zu kräftezehrender Landarbeit verdonnert wurden, landeten in z.T. nicht weniger ungesunden Handwerksbetrieben oder, mit etwas Glück, in einem städtischen Haushalt der römischen Oberschicht. 
Das Schicksal der kriegsbedingten Sklaverei traf auch viele Juden, da ihre Heimat ein krisengeschüttelter Unruheherd war. Zog man nicht gegen äußere Feinde, dann bekämpften sich die unterschiedlichen Fraktionen gegenseitig. Schon in der Zeit der späten Republik dürften etliche jüdische Kriegsgefangene nach Rom verschleppt worden sein - nämlich als der große General Pompeius Jerusalem eroberte; genaue Zahlen sind aber nicht bekannt. Hingegen heißt es, dass wenige Jahre später Gabinius - ein weiterer römischer Polit-Militär, der sich im Nahen Osten herumtrieb - 30.000 unbotmäßige Juden als Sklaven verkauft haben soll; manch einer von ihnen dürften in der Hauptstadt des Imperiums gelandet sein.
Während des zweiten Triumvirats belagerte der aus altem jüdischem Adel stammende Herodes der Große - unterstützt von Soldaten, die Marcus Antonius entsandt hatte - Jerusalem, um sich seines Konkurrenten Antigonos zu entledigen. Bei der Erstürmung der Stadt kam es zu schweren Gräultaten an der Zivilbevölkerung. Beteiligt an den Übergriffen waren nicht nur die Belagerer, sondern auch die jüdischen Herodes-Sympathisanten, welche innerhalb der Mauern Jerusalem lebten und nun den Moment gekommen sahen, an ihren Landsleuten Rache zu nehmen. Die Machtübernahme des Herodes dürfte eine Flüchtlingswelle in Richtung Rom ausgelöst haben, wo Octavian - der Konkurrent des Herodes-Verbündeten Antonius - herrschte (interessante Randnotiz: In den Streitkräften des Juden Herodes sollen sich laut Flavius Josephus germanische Söldner befunden haben. Ob man das in den 1930er-Jahren in Deutschland gewusst hat?).
Herodes, der für lange Zeit als Klientelkönig von Roms Gnaden regieren durfte, starb im Jahre 4 v. Chr.; daraufhin brachen in seinem Herrschaftsgebiet schwere Unruhen aus. Der damalige syrische Statthalter Varus - welcher einige Jahre später durch seine desaströse Niederlage gegen Arminius in die Geschichte eingehen sollte - griff mit harter Hand durch: 2000 aufständische Juden wurden ans Kreuz geschlagen und eine unbekannte Anzahl eingekerkert. Überdies wurde die Zerstörung der Stadt Sepphoris angeordnet; sämtliche Einwohner versklavte man. Und so fanden wieder einmal etliche jüdische Kriegsgefangene ihren Weg nach Rom.
Einen besonders großen Schub erhielt die jüdische Gemeinde Roms, als in den 60er-Jahren des 1. Jahrhunderts der sogenannte Jüdische Krieg ausbrach. Flavius Josephus spricht von 97.000 Gefangenen, die nach der Eroberung von Jerusalem durch den späteren Kaiser Titus gemacht wurden. Doch schon in den Jahren unmittelbar davor wurden etliche Juden in die Sklaverei geführt; auch abseits des eigentlichen Kriegsschauplatzes in Judäa. So kam es beispielsweise im ägyptischen Alexandria, wo eine besonders stattliche jüdische Gemeinde lebte, zu massiven Ausschreitungen zwischen den sich notorisch feindlich gesinnten Juden und Griechen. Nachdem die Reibereien darin gipfelten, dass ein jüdischer Mob damit drohte, das mit Griechen gefüllte Amphitheater der Stadt anzuzünden, setzte der Statthalter Tiberius Alexander die Armee ein, um die Ordnung wieder herzustellen. Es kam in Folge zu einem regelrechten Blutbad, an dem sich nicht nur römische Soldaten, sondern auch die zutiefst erbitterte nichtjüdische Bevölkerung Alexandrias beteiligte: 50.000 Juden, vom Säugling bis zum Greis, sollen in Folge umgekommen sein. Darüber hinaus kann auch in diesem Fall davon ausgegangen werden, dass etliche der überlebenden Juden versklavt wurden - sofern sie nicht das römische Bürgerrecht besaßen. Nach diesen blutigen Ereignissen werden aber wohl auch viele Juden freiwillig Alexandria den Rücken gekehrt haben, so wie übrigens auch zahlreiche Einwohner Jerusalems ihre Stadt vor der Belagerung durch Titus verließen, um sich auf die Seite Roms zu schlagen
Exkurs: Die Schwarz-Weiß-Darstellung, es habe sich beim Jüdischen Krieg um einen Unabhängigeitskampf gegen das übermächtige Rom gehandelt, widerspricht den historischen Überlieferungen; vielmehr war es vor allem ein innerjüdischer Konflikt, in den Rom als Besatzungsmacht hineingezogen wurde. Trotzdem trug sich in der Nacht des 14. Mai 1948 Bemerkenswertes zu: Unter dem antiken Titusbogen in Rom - der unter anderem an den Triumph über die Juden erinnern soll - versammelten sich Mitglieder der jüdischen Gemeinde und riefen aus Anlass der Gründung des Staates Israel: "Rom ist vergangen, Israel gibt es immer noch!" Darüberhinaus wurde der Titusbogen in jüngerer Vergangenheit mehrmals mit hebräischen Graffiti beschmiert und Reliefs mutwillig beschädigt.  

Gekommen um zu bleiben

Noch recht lange ließe sich die obige Aufzählung von all den kriegerischen Ereignissen fortsetzen, die dazu führten, dass die jüdische Gemeinde Roms im Laufe der Zeit immer mehr anwuchs. Bemerkenswert daran ist freilich, dass dieser demographische Aufwärtstrend selbst dann anhielt, wenn gegen die stadtrömische Juden harte Zwangsmaßnahmen erlassen wurden.
Zwar genossen die im Römischen Reich lebenden Juden seit Gaius Julius Caesar eine relativ gesicherte Rechtsstellung (es waren nämlich Juden unter Herodes' Vater Antipater, die Caesar 48 v. Chr. in Alexandria aus einer brenzligen Situation retteten) - doch galten sie Zeitgenossen, nicht zuletzt aufgrund ihrer monotheistischen Vorstellungen, nie als völlig in die römische Gesellschaft integriert; man hielt sie vielmehr für eigenbrötlerisch und nur mäßig assimilierungsfreudig. Beispielsweise meinte Philostratos noch im späten 2. Jahrhundert:

Die Juden sind uns in ihrem Wesen ferner als Susa, Baktra (Anm.: beides liegt in Persien) und die Inder. Denn sie teilen unser Leben nicht und teilen mit anderen Menschen weder Mahlzeiten noch Verträge, weder Gebete noch Opfer.
Philostratos, Vita Ap. 5,33

Auch dürfte der Umstand, dass die Juden vom Militärdienst befreit waren - bei ihrer gleichzeitigen Einbindung in die staatliche Getreideversorgung - zusätzliche Animositäten auf Seiten der römischen Mehrheitsbevölkerung hervorgerufen haben.
Unter Tiberius scheint es dann zum ersten Mal in der Stadt Rom 'geknallt' zu haben. Im Jahr 19 n. Chr. ging er gegen die Anhänger ägyptischer Kulte und gegen das Judentum vor: Es wurde die Anordnung erlassen, Kultgegenstände und Priestergewänder der entsprechenden Religionen zu verbrennen. Außerdem verurteilte man eine große Anzahl jüngerer Juden zum Kriegsdienst in wenig angenehmen Provinzen. Der große Rest der jüdischen Gemeinde wurde kollektiv aus Rom verbannt. Wobei davon ausgegangen werden kann, dass diese Verbannung von vielen entweder nicht oder nur vorübergehend befolgt wurde. Anderenfalls hätte sich Kaiser Claudius gut zwei Jahrzehnte später nicht veranlasst gesehen, kurz nach seinem Herrschaftsantritt ein Versammlungsverbot über die stadtrömischen Juden  zu verhängen, die noch wegen gewissen Anordnungen von Claudius' Vorgänger Caligula verärgert waren.
Rund 8 Jahre später gab die jüdischen Gemeinde Roms erneut Anlass zum Einschreiten der Staatsmacht, als nämlich zum ersten Mal Christen bzw. Judenchristen in Erscheinung traten und wohl auch innerhalb von Synagogen für ihre Glaubensvorstellungen - die noch sehr stark jüdisch geprägt waren - (über)eifrig warben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Synagogenvorsteher diese Umtriebe beim Kaiser bzw. seinen Beamten anzeigten. Der Grund hierfür: Claudius hatte - wie seine Vorgänger im Herrscheramt - den Juden zwar die freie Religionsausübung gewährt, allerdings nur unter der ausdrücklichen Auflage, dass sie sich mit ihren althergebrachten Rechten und ihrer bisherigen Lebensweise zufrieden geben. Anderenfalls wolle er sie "wie eine Krankheit bekämpfen". Im Angesicht dessen könnten traditionelle Juden der Meinung gewesen sein, Judenchristen (ein moderner Begriff) würden mit ihren revolutionären Vorstellungen vom staatlich vorgegebenen Pfad der Tugend abweichen, sodass sie Anzuschwärzen nicht schaden könne. Claudius ließ daraufhin tatsächlich den harten Kern der problematischen jüdischen Elemente aus der Stadt werfen.
Diese Ausweisungen des Claudius dürften die traditionelle jüdische Gemeinde nicht wesentlich geschwächt haben. Anders wird sich die Situation aber bei den Judenchristen dargestellt haben. Aufgrund des Aderlasses stellten nun bald jene Anhänger der christlichen Lehrer die Mehrheit, welche ihre Wurzeln nicht im Judentum hatten, sondern in anderen antiken Religionen. Für die weitere Entwicklung des Christentums ist das von immenser Bedeutung, da der Graben zum Judentum dadurch deutlich vertieft wurde. Aus einer jüdischen Sekte entwickelte sich jetzt eine eigenständige Religion.

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Quellen / Weiterführende Literatur:


Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Krimskrams: Wo bleiben die Merowinger?

Wer sich so wie ich fragt, wo denn der dritte Teil der Merowinger-Reihe des Zeughaus Verlages nach zig Verschiebungen bleibt, hier ein kleines Update: Ich habe kürzlich nachgefragt und die Antwort erhalten, dass der Text des Buches fertig ist bzw. gerade beim Lektor liegt. Allerdings benötigt der Grafiker deutlich länger als erwartet. Man hofft nun, dass sich die Veröffentlichung trotzdem noch bis zum Jahresende ausgehen wird. 

Das hoffe ich auch, denn die Bücher dieser Reihe sind sehr gut - meiner Meinung nach besser als die vergleichbaren von Osprey - und gehören eigentlich in die Bibliothek eines jeden Living-History-Darstellers, der im Frühmittelalter unterwegs ist.

Ebenfalls sehnsüchtig erwarte ich schon lange die Veröffentlichung der Übersetzung von "Zehn Bücher Geschichten" (Gregor von Tours). Vielleicht sollte man hier auch einmal nachfragen. wann das Buch endlich in den Handel kommt ...


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Mittwoch, 26. Juli 2017

Hörbares: Kulturgutschutzgesetz -- Rebecca Gable -- Game of Thrones -- Münzfälscher -- Lausige Buchgestaltung -- usw.

Ein Jahr Kulturgutschutzgesetz - Ausnahmeregelungen verhindern die Wirksamkeit | Spieldauer 24 Minuten | DF/ARD| Stream & Info | Direkter Download

Das Mittelalter als Bestseller - Ein Interview mit der Autorin Rebecca Gable | Spieldauer 24 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Wie viel Mittelalter steckt in Game of Thrones? | Spieldauer 24 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Anm: Mir zu wenig, um auch nur eine Minute Lebenszeit dafür zu vertrödeln. Lieber studiere ich die Maserung der hölzernen Deckenverkleidung in meinem Arbeitszimmer. 

Hofrat Carl Wilhelm Becker - Fälscher antiker Münzen | Spieldauer 4 Minuten | BR/ARD| Stream & Info | Direkter Download

Archäologische Kostbarkeiten im Braunkohletagebau | Spieldauer 5 Minuten | SWR/ARD| Stream & Info | Direkter Download

Georg Friedrich Händel - Gute Geschäfte und ein "Halleluja" | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

(OFF-Topic) Die schönsten deutschen Bücher | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Zitat: Ein Buch sei dann schön, wenn es in der Gestaltung und in der Verarbeitung das transportiere, was der Inhalt dem Leser oder dem Betrachter vermitteln möchte, sagte Katharina Hesse von der Stiftung Buchkunst im Dlf. Dem Leser falle das oft gar nicht auf. Der merkte es nur, "wenn es einfach schlecht gemacht ist".
Das predige ich ja schon lange und erwähne es teilweise auch in meinen Rezensionen. Ein Buch mit lausigem Layout - vor allem aber mit schlechtem Cover - bremst den Verkauf. Das begreift aber nicht jeder Verleger, wie unzählige Bücher anschaulich zeigen.
Überdies ist es ärgerlich, wenn schlechte Materialien verwendet werden. Siehe z.B. meine Rezension von Im Paradies des Alphabets oder jene Cornwell-Romane, bei denen die Goldschrift des Covers abging.

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Montag, 24. Juli 2017

Buch: Im Paradies des Alphabets - Die Entwicklung der lateinischen Schrift

Vorweg: Nach Klaus Grewes Aquädukte - Wasser für Roms Städte wird hier nun zum zweiten Mal ein Buch besprochen, dessen Autor/Herausgeber dem wissenschaftlichen Beirat der medial belobhudelten Mittelalterbaustelle Campus Galli (pro forma) angehört. 

Im Paradies des Alphabetes - Die Entwicklung der Lateinischen Schrift wurde von Cornel Dora - Stiftsbibliothekar des Klosters St. Gallen - herausgegeben. Es handelt sich hierbei um eine Begleitschrift zur gleichnamigen Ausstellung im Jahr 2017.

In verschiedenen Kapiteln wird anhand von handschriftlichen Beispielen aus der umfangreichen Stiftsbibliothek des Schweizer Klosters St. Gallen die Entwicklung der lateinischen Schrift von der Spätantike bis zum Spätmittelalter veranschaulicht (4.-15. Jh.). Man beginnt mit der sogenannten Capitalis quadrata und arbeitet sich bis zur Humanistischen Kursive vor. Darüber hinaus werden auch Sonderformen wie die eher verwirrend wirkende Ogham-Schrift und das angelsächsische Runen-Alphabet behandelt. Weiters enthält das Buch großformatige Musteralphabete, die vor allem für jene interessant sein dürften, die sich selbst in der Praxis mit Kalligraphie auseinandersetzen wollen.

Der Titel ist leider etwas überoptimistisch bzw. irreführend. Die Entwicklung der lateinischen Schrift beginnt nämlich nicht erst im 4. Jahrhundert. Über das Davor erfährt man hier aber kaum etwas. 
Der Einband dieses fadengebundenen, schön gestalteten Buchs ist aus einem Karton mit einer rauen, empfindlichen Oberfläche. Wenig überraschend musste ich bereits beim Auspacken an der rechten unteren Ecke eine Beschädigung feststellen (siehe Bild). Hier hat man nach meinem Dafürhalten an der falschen Stelle geknausert. Ein folierter Karton hätte, wenn überhaupt, nur ein paar Cent mehr gekostet. 

Fazit: Inhaltlich handelt es sich um ein weitestgehend gelungenes Buch, das besonders in Bezug auf die verschiedenen Varianten der lateinischen Schriften des Mittelalters einen anschaulichen und allgemein verständlichen Überblick bietet. Der Kaufpreis beträgt 25 Euronen.


Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
Zur Einführung: Schreiben im Mittelalter
Antike und Spätantike
Vorkarolingische Vielfalt
Insulare Schriften
Karolingische Minuskel
Gotische Schriften nördlich der Alpen
Italienische Schriften in Spätmittelalter und Renaissance 
Skriptorium und Bibliothek auf dem St. Galler Klosterplan
Initiallkunst
Die Schriften der Urkunden
Musteralphabete 
Ogham
Anhang

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Weiterführende Informationen: 

Sonntag, 23. Juli 2017

Videos: Verborgener antiker Text -- Rätsel um Cheops-Kartusche

Verborgener antiker Text in altem Buch entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Weitere Infos finden sich auch in diesem deutschsprachigen Artikel (danke für den Hinweis)



Das Rätsel um die Cheops-Kartusche - Echt oder Fälschung? | Spieldauer 87 Minuten | Youtube | Stream & Info
Wer mit ungewöhnlichen geschichtswissenschaftlichen Thesen eher wenig am Hut hat, bitte nicht anschauen 😊


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Donnerstag, 20. Juli 2017

Krimskrams: Der infantile Rechtschreibguru vom Campus Galli -- Spannende Facebook-Vorschläge

Der infantile Rechtschreibguru vom Campus Galli 

Die in Baden-Württemberg beheimatete Mittelalterbaustelle Campus Galli ist ein beständiger Quell des unfreiwillig Komischen. Siehe etwa den folgenden Wortwechsel, der sich kürzlich unter einem Beitrag über den Bau einer eher sinnfreien Obstgartenmauer des Möchtegern-Klosters entspann (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Zum Vergrößern auf das Bild klicken | Quelle: Campus-Galli.de

Hinter dem Pseudonym "Campus Galli" verbirgt sich Hannes Napierala, der Geschäftsführer des Projekts, wie ein kurzer Blick in den Quelltext der Seite zeigt (comment byuser comment-author-hannes). Diese überempfindliche Mimose erschnüffelt im obigen Kommentar also (Mikro-)Aggressionen ...
Aber mehr noch: Wie ein Zwölfjähriger reibt er der Kommentatorin einen winzigen Tippfehler unter die Nase, um sie öffentlich bloßzustellen. Peinlich!
Den Vogel schießt Herr Napierala freilich ab, indem er selbst umgehend einen Fehler produziert - und zwar ausgerechnet in jenem letzten Satz, in dem er über die Rechtschreibung seines Gegenüber herzieht. Das Anredepronomen "Ihrer" wird nämlich groß - und nicht etwa klein - geschrieben. 😊

Irgendetwas von "Versteinerung der Architektur veranschaulichen" blubbert der selbsternannte Rechtschreibguru dann noch. Versteinert ist allerhöchstens sein Oberstübchen, wenn er ernsthaft glaubt, dieses hohle Sprachartistik würde nicht umgehend durchschaut werden. Aber Hannes Napierala kann es eben nicht lassen: Anstatt kurz und offen einzugestehen, dass beim Campus Galli das momentane Handwerkerangebot nicht mit den vorhandenen Fähigkeiten, Geldmitteln und Plänen konform geht, fühlt sich dieser notorische Dampfplauderer bemüßigt, zusätzlich eine pseudowissenschaftliche Rechtfertigung nachzuschieben.
Um die "Beschaffung der Rohmaterialien" ginge es beim Bau der Obstgartenmauer, behauptet er - und erweckt gezielt den Eindruck, als handle es sich um ein ausgetüfteltes, vielgliedriges wissenschaftliches Experiment. Lachhaft, werden die verbauten Steine doch gar nicht von den Mitarbeitern des Projekts aus ihren Lagerstätten gebrochen, sondern einfach per LKW aus einem benachbarten Steinbruch angeliefert!
Im Übrigen konnte man beim Campus Galli bereits mit dem Fundament der Holzkirche und dem dazugehörenden Altar ausgiebig Erfahrungen im Steinbau sammeln. Auch das hat dieser auf Halbwahrheiten spezialisierte Schmähtandler wohlweislich verschwiegen.
Und überhaupt: Was wäre wohl aus dem - im Gegensatz zum Campus Galli - finanziell erfolgreichen Burgbau-Projekt Guédelon geworden, wenn sich die Verantwortlichen dort selbst nach rund fünf Jahren (so lange existiert der Campus Galli schon) noch immer nicht die nötigen Kenntnisse im Bauen mit Steinen erarbeitet hätten?

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Spannende Facebook-Vorschläge: "Personen, die du kennen könntest"



Schön wärs 😄

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Mittwoch, 19. Juli 2017

Zeitschrift "Bayerische Archäologie": Der Schatz von Bernstorf und ein interessantes römisches Kettenhemd

Viermal jährlich erscheint im Verlag Friedrich Pustet die Zeitschrift Bayerische Archäologie. Die einzelnen Ausgaben haben unterschiedliche Schwerpunkte, enthalten daneben aber auch noch Artikel zu weiteren Themen. 

Im aktuellen Heft mit dem Titel Von den Römern zu den Bajuwaren widmet man sich unter anderem dem "Bernstorf-Drama"; gemeint ist hier der immer wieder durch die Medien geisternde bronzezeitliche Goldschatz, über dessen Echtheit große Uneinigkeit herrscht. Jene Fachleute, welche den Schatz für authentisch befinden, veröffentlichten kürzlich ein Buch (ISBN 978-3-927806-43-6), in dem sie ihre Ansichten verteidigen. Der Artikelautor von Bayerische Archäologie neigt nach der Lektüre eben dieses Buches dazu, den Bernstorf-Verteidigern zuzustimmen und erläutert im Detail und allgemein verständlich seine Gründe dafür. Nun wäre allerdings abzuwarten, wie die Gegenseite auf die oben erwähnte Bernstorf-Publikation reagieren wird.
Abseits der Frage, ob der Schatz echt oder eine Fälschung ist, wird überdies auf Aspekte zum Fundort hingewiesen, die bei der mitunter recht aufgeregten Diskussion zumeist unter den Tisch fallen: Große Teile der bronzezeitlichen Anlage in Bernstorf wurden zwecks Erschließung eines Kiesvorkommens undokumentiert weggebaggert, wobei Bauarbeiter mehrfach nun verschollene Bronzeartefakte beobachteten. Das Bayerische Amt für Denkmalpflege habe die Bedeutung der Fundstätte lange Zeit völlig unterschätzt und soll überdies engagierten Laien vor Ort, die sich für Erhalt sowie Erforschung des Bodendenkmals stark machten, Steine in den Weg gelegt haben. Weiter heißt es:

Dass Laien, wenn sie bedeutende Funde machen, häufig von professionellen Archäologen misstrauisch beäugt werden, und dabei auch Neid gegen die nicht vom Fach Seienden eine Rolle spielt (besonders wenn es eine starke mediale Aufmerksamkeit gibt), ist ein wohl nicht abzustreitendes Phänomen.


Der Autor eines anderen Beitrages beschäftigt sich mit der Geschichte des Legionslagers der 3. Italischen Legion in Regensburg (Castra Regina). Ziemlich interessant fand ich in diesem Zusammenhang die Rekonstruktionszeichnung eines römischen Soldaten aus der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus, der u.a. mit Funden aus Regensburg und Eining ausgerüstet ist. Zuerst dachte ich, der Mann trägt eine karierte Tunika; erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass es ein Kettenhemd ist, dessen rechteckige Grundmodule aus Eisen/Stahl mit Bronzeringen zusammengeheftet wurden. Diese außergewöhnliche Bauform habe ich bisher glaube ich noch nirgendwo sonst gesehen. 



Ins Grübeln brachte mich die Ankündigung zu einer Lehrgrabung im kommenden August in Altenerding. Mindestdauer eine Woche, Kosten 100 € (NICHT inkludiert sind hier Übernachtung und Essen). 
Bezahlen für einen mitunter körperlich anstrengenden Hiwi-Job? Sollten die Verantwortlichen nicht stattdessen jedem die Füße küssen, der seinen Sommerurlaub opfert und seine Arbeitskraft kostenlos in den Dienst der Wissenschaft stellt? 
Das Thema hatte übrigens auch schon ein Leser unter meinem Interview mit dem Archäologen Raimund Karl recht kritisch angesprochen.

Fazit: Überwiegend interessanter, abwechslungsreicher Lesestoff. Der Kaufpreis beträgt knapp 9 Euro.

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Dienstag, 18. Juli 2017

Videos: Archäologische Ausgrabungen in Nürnberg ärgern Anwohner -- Papyri -- Historischer Fechter -- usw.



Archäologische Ausgrabungen ärgern Anwohner | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info
Archäologen beklagen sich zwar gerne darüber, dass sie ihrer Arbeit z.T. unter nahezu prekären Verhältnissen nachkommen müssen, aber dass ihr Verdienst nicht einmal mehr für einen ordentlichen Hut reicht, kann ich mir nicht vorstellen 😆
Sehr gut ist auch der Auftritt der alten Frau bei 00:36 Min 😂

Campus TALKS: Wie Papyri zeigen können, was Griechen und Römer uns nicht wissen ließen | Spieldauer 14 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Carsten Belz: Historischer Fechter | Spieldauer 4 Minuten | RB | Stream & Info
Man bewegt sich im 16. Jahrhundert, die legendäre Schamkapsel darf da natürlich nicht fehlen!

Martina Egler: Das alte Leben fürs Mittelalter aufgegeben | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info
So oder so ähnlich hat es im Mittelalter ausgesehen, meint die Stimme aus dem Off zu den gezeigten Bildern. Nein, weder so noch so ähnlich.

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Montag, 17. Juli 2017

Hörbares: Der Streit um die Ethik im Denkmalschutz -- Denkmalschutz in Hessen läuft Amok -- Indiana Jones und Archäologen im Film -- Elfenbeinschnitzereien der Vorgeschichte -- Römische Töpferwerkstätten



Streit um Grabungsstopp im UNESCO-Welterbe Grube Messel | Spieldauer 5 Minuten | DF | Direkter Download
Der präpotente Beamtenapparat des hessischen Landesamts für Denkmalpflege läuft, besoffen von seinen Machtbefugnissen, gerade Amok und sperrt unzählige Fossiliensucher und Wissenschaftler quasi von einem Tag auf den anderen aus der stillgelegten Ölschiefergrube Messel aus; zum Schaden des Wissenschaftstandorts Deutschland. Blödheit hat viele Erscheinungsformen, das ist eine davon.

„Unverantwortlich, gar unmoralisch?“ - Der Streit um die Ethik im Denkmalschutz | Spieldauer 45 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Elfenbeinschnitzereien der Vorgeschichte von der Alb | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Ausgrabungen in der Eifel: Römische Töpferwerkstätten | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Indiana Jones wird 75: Archäologen im Film | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Ein nicht uninteressantes Thema. Kürzlich bin ich nämlich zufällig über eine deutsche Seifenoper gestolpert (wie die heißt, habe ich vergessen) in der es am Rande irgendwie auch um Archäologie geht. Allerdings musste ich schon schmunzeln, wie da die Schauspieler hölzern ein bisschen Archäologenvokabular austauschten. Immerhin, man scheint jemanden vom Fach als Berater eingestellt zu haben.

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Sonntag, 16. Juli 2017

Buch: Der Triumph - Siegesfeiern im antiken Rom

Triumphzüge gehören bis in unsere Gegenwart zu den bekanntesten Aspekten der römischen Antike. Doch wo liegen ihre historischen Ursprünge? Wie darf man sich den Ablauf dieser von Zeitzeugen als bombastisch beschriebenen religiös-militärischen Siegesfeiern vorstellen? Und was erzählen uns die Darstellungen auf Triumph- bzw. Ehrenbögen - wie beispielsweise jenen des Titus und Septimius Severus?
Diesen und weiteren Fragen geht Ritchie Pogorzelski in seinem Buch Der Triumph - Siegesfeiern im Antiken Rom - Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe mit viel Liebe zum Detail nach. Dabei zitiert der Autor ausgiebig antike Geschichtsschreiber wie Plutarch, Cassius Dio, Sueton usw.
Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass die erörterten Reliefdarstellungen der im Buch behandelten Bauten eingefärbt wurden (siehe Cover). Erst durch diese wichtige Annäherung an die antiken Originale werden  die dargestellten Szenen in vollem Umfang verständlich.
Sinnvollerweise beschreibt Ritchie Pogorzelski in Grundzügen auch gleich jene naturwissenschaftlichen Methoden, die bei der Suche nach mikroskopisch kleinen Farbanhaftungen auf antiken Bau- und Bildwerken zum Einsatz kommen. Weiters wird kurz die entsprechende Forschungsgeschichte betrachtet - ein wichtiger Punkt, da hierdurch ersichtlich wird, warum lange Zeit die irrige Meinung vorherrschte, die antike Architektur sei - von Wandmalereien abgesehen - vergleichsweise farblos gewesen; und das obwohl der Forschung doch bereits früh bekannt war, dass aus überlieferten Schriftzeugnissen klar hervorgeht, wie wenig Anklang etwa blanke Marmorstatuen in der Antike fanden.
Nach dem Betrachten der vielen farbenfrohen Abbildungen in diesem Buch dürften die meisten Leser sehr ähnliche Empfindungen.

Fazit: Eine ausführliche, äußerst detailreiche und auch für Laien leicht verständliche Monographie. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro.


Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

Einleitung
Der Einsatz von Farbe in der Kunst
Der römische Triumph
- Herkunft
- Beschreibung von Triumphzügen
- Der Triumphator
- Die Entwicklung
- Organisation
- Der Weg des Triumphzuges
- Das Opfer
- Die Kriegsbeute
Außerordenltiche Feiern
- triumphus in Monte Albano
- Die ovatio
- Der Seetriumph
- Die ornamenta triumphalia
- Triumphähnliche Prozessionen
Der Ehrenbogen / Triumphbogen
- Der Augustusbogen in Susa
- Der Stadtgründungsbogen in Orange
- Der Titusbogen in Rom
- Der Traiansbogen in Benevent
- Der Bogen des Hadrian?
- Der Bogen des Marcus Aurelius in Rom
- Der Septimius-Severus-Bogen in Rom
- Der Septimius-Severus-Bogen in Leptis Mgana
- Die Valle Medici- und Valle Capranica-Reliefs
- Der Galierusbogen in Thessaloniki
- Der Konstantinsbogen in Rom
Schlussbetrachtung - Pietät und politische Propaganda
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis

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Weiterführende Informationen:

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Mittwoch, 12. Juli 2017

Krimskrams: Die prekäre Museumspädagogik des Campus Galli -- 'Kugelsichere' Westen in der Antike

Die prekäre Museumspädagogik des Campus Galli 

Schüler bastelten im Unterricht zusammen mit ihrer Religionslehrerin ein Modell des auf dem sogenannten St. Galler Klosterplan dargestellten Klosters und übergaben es dem Töpfer der Mittelalterbaustelle Campus Galli, berichtet der Südkurier: Klick mich

So weit, so langweilig. Interessanter sind da schon die Auskünfte, die besagter Töpfer den Schülern bei ihrem Besucht erteilt haben soll. Der Klosterplan von St. Gallen, der ja mehr oder weniger als Vorlage für den Campus Galli dient, sei ein "Idealplan" gewesen, der auf genau diese Weise nie umgesetzt wurde.
Ein Idealplan, ach wirklich? Und warum schreibt dann ausgerechnet der 'Hüter' besagten Plans, der St. Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora - welcher übrigens im wissenschaftlichen Beirat des Campus Galli sitzt - in seiner Publikation Im Paradies des Alphabetes folgendes?

Bis heute bleibt offen, ob der Plan tatsächlich als Bauzeichnung gedacht war oder doch eher nur ein Konzept oder gar nur als eine Art Spiel [...]. Klar ist hingegen, dass er nicht die Kopie eines Idealplans war. Dafür sind zu viele Korrekturen und direkte Bezüge zu St. Gallen sichtbar. Es handelt sich um eine spezifisch für St. Gallen angefertigte Architekturzeichnung mit Konzeptcharakter.

Dora gibt übrigens als Quelle für seine Aussage eine Publikation von Barbara Schedl aus dem Jahr 2014 an. Lustigerweise sitzt auch Frau Schedl im wissenschaftlichen Beirat des Campus Galli. Demnach darf eigentlich zwingend davon ausgegangen werden, dass den Verantwortlichen bekannt ist, dass der St. Galler Klosterplan nach aktuellem Forschungsstand ausdrücklich nicht mehr als Idealplan betrachtet wird.
Die offensichtliche Unwissenheit des Campus-Galli-Töpfers ist daher mehr als nur befremdlich. Noch dazu handelt es sich bei dem Herren um einen gelernten Mittelalterarchäologen. Was für ein Armutszeugnis also, dass ausgerechnet er den kindlichen Besuchern grob falsche bzw. überholte Informationen vorsetzt. Dieses Beispiel verdeutlicht freilich zum wiederholten Mal, wie prekär es um die Museumspädagogik dieses schludrig umgesetzten Projekts nach wie vor bestellt ist. 

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'Kugelsichere' Westen in der Antike - oder: Der erstaunliche Brustpanzer des Demetrios Poliorketes

Demetrios Poliorketes - was soviel wie "Demetrios der Städtebelagerer" heißt (vielleicht eine Anspielung auf Zeus, der als Beschützer der Städte galt) war sicher einer der interessantesten Diadochen-Herrscher. Zeit seines Lebens führte er mit wechselndem Erfolg Krieg und eroberte sich nicht zuletzt wegen seinen gewaltigen Kriegsmaschinen einen Platz in der Geschichte.
Weniger bekannt, aber mindestens ebenso interessant ist eine Überlieferung Plutarchs, wonach Demetrios einen erstaunlichen Brustpanzer besessen haben soll, der quasi das antike Äquivalent zu einer modernen kugelsicheren Weste darstellte:

Für diesen Krieg (Anm.: gegen Rhodos) wurden ihm zwei eiserne Panzer aus Kypros geschickt, jeder vierzig Minen schwer (Anm.: rund 17 kg). Um Stärke und Festigkeit zu beweisen, ließ der Hersteller Zoilos aus 20 Metern Entfernung einen Katapultpfeil auf den Panzer abschießen, der dabei unverletzt blieb, von einer leichten Schramme abgesehen, wie von einem Schreibgriffel.
Diesen Panzer trug Demetrios selbst, den anderen der Epirot Alkimos, einer der stärksten und waffentüchtigsten seiner Leute, der alleine eine zwei Talente schwere Rüstung trug (Anm.: ca. 52 kg), während die aller anderen ein Talent wog.
Plutarch, Demetrios 21

Es handelt sich hier wohl um Glockenpanzer (Harnisch, Brustpanzer), die mittels spezieller Wärmebehandlung gehärtet worden waren. Dass Plutarch die Widerstandskraft dieser Rüstung eine Erwähnung wert ist, deutet darauf hin, dass es sich hierbei um etwas ganz besonderes handelte. Der Hersteller könnte demnach seiner Zeit schmiedetechnisch deutlich voraus gewesen sein.

Mir persönlich sind Brustpanzer aus dem 16. Jh. bekannt, die tatsächlich in der Lage waren, eine Musketenkugel aufzuhalten; das Plattner-Handerwerk hatte zu dieser Zeit seinen Höhepunkt erreicht. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit eine Musketenkugel mit einem "Katapultpfeil" (Bolzen aus einem Torsionsgeschütz?) vergleichbar ist. Die Angaben von Plutarch sind hier einfach zu dürftig.