Donnerstag, 22. Juni 2017

Krimskrams: Bücher, Bücher, Bücher! -- Prinzipienreiterei -- Fund in den Logfiles



Bücher, Bücher, Bücher!

Ich möchte an dieser Stelle auf meine Buchrubrik hinweisen, in der alle Rezensionen aufgelistet sind; vergangene sowie zukünftige (d.h. die bis Jahresende geplanten): Klick mich

Wie man sieht: Da kommt einiges! Was bis zu einem gewissen Grad daran liegt, dass ich vermehrt Angebote für Rezensionsexemplare erhalte. Außerdem habe auch ich damit begonnen, selten aber doch nach diesem oder jenem Buch zu fragen.

Freilich, ich schreibe hier sicher nicht lauter 5-Sterne-Lobhudeleien, um mir die Verlage auf Teufel komm raus gewogen zu stimmen. Die meisten Fach- und Sachbücher die von mir besprochen werden bekommen zwar immer noch recht gute vier Sterne, aber das war auch schon so, bevor Rezensionsexemplare für mich auf dem Radar erschienen sind. Der Grund: Viel falsch machen kann man bei dieser Art Literatur nicht, außerdem achte ich im Vorhinein darauf, was ich lese.
Es gibt, das lehrt langjährige Erfahrung, Verlage wie Theiss oder Friedrich Pustet - und Autoren wie den Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber - die für Qualität stehen. Deshalb sind in solchen Fällen böse Überraschungen kaum denkbar. 
Selbst ein Verlag wie Marix (Verlagshaus Römerweg) - der mir früher mit seinen Reprints von Uraltübersetzungen antiker Texte eher weniger gut aufgefallen ist (z.B. Herodots Historien) - hat sich mittlerweile zu einem echten Geheimtipps entwickelt, nachdem dort Fachleute wie der Althistoriker Kai Brodersen moderne, gut leserliche Neuübersetzungen erstellen, die man sonst nirgendwo zu bezahlbaren Preisen erhält (Klick mich).

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Prinzipienreiterei

Der Online-Standard berichtet von einer spanischen Galleone, die 1708 vor der Küste Kolumbiens in einem Gefecht auf den Meeresgrund befördert wurde. Was freilich keine Absicht der gegnerischen Royal Navy gewesen sein dürfte, denn an Bord befanden sich laut Allwissender Müllhalde 344 Tonnen Gold- und Silbermünzen sowie 116 Kisten mit Smaragden (das hätte eine saftige Prise abgegeben). Der heutige Wert: Mehrere Milliarden (!) Euro. Dass sich die Regierung Kolumbiens über diesen gewaltigen Schatz vor der eigenen Haustür freut, dürfte wenig überraschend sein. Nach der Bergung des Schiffs soll dieses konserviert und ein  Teil des Schatzes veräußert werden.
Eine vernünftige Lösung, oder? Nicht in jedermanns Augen, denn aus den Reihen der Archäologen ist Nörgelei zu vernehmen. Einer Art Messie-Syndrom frönend, wird ernsthaft die Forderung erhoben, dass nichts von diesem geradezu absurd großen Edelmetall- und Edelsteinhaufen verkauft werden dürfe.

Breaking apart unity of the galleon and her cargo, dissolving essential parts of this heritage for market value, as the 2013 Colombian Law allows, damages its historical value and the benefit for Colombian people. The scientific community, universities and academic centers worldwide, and billions of people -especially the Latin American- who celebrate this culture in our countries, are watching very close what happens in Colombia these days. 

Faszinierend - oder besser gesagt anmaßend - wie hier ein kleines Grüppchen behauptet, im Namen von Milliarden (!) Menschen zu sprechen, ohne je von diesen in irgend einer Form legitimiert worden zu sein.
Jede Wette, dass die Mehrheit der Bevölkerung Kolumbiens für einen teilweisen Verkauf des Schatzes ist. Und für die Wissenschaft macht es, nachdem alles ordentlich dokumentiert wurde, ohnehin keinen Unterschied, ob in den Schaufenstervitrinen des geplanten Museums - in dem das Schiff ausgestellt werden soll - hunderte, tausende oder zehntausende Münzen gleicher Prägung liegen; für Kisten voller Rohedelsteine gilt das noch viel mehr.

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Fund in den Logfiles dieses Blogs:
http://webfilter.schule.local:4290/denied.rhtml?DENIEDURL==http%3a%2f%2fhiltibold%2eblogspot%2ecom%2f2013%2f04%2fhaare%2dfarben%2dim%2dantiken%2drom%2ehtml::IP==10.31.241.228::USER==-::CATEGORIES==::GBYPASS==8D61068920F6BFB04372DCC9BDE34ED21498030001::REASON==%5bDOMAINBAN%5d%20Verbotene%20Dom%c3%a4ne%3a%20blogspot%2ecom 
Da versucht man irgendwo von schulischer Seite die Domain Blogspot.com zu blockieren, also die größte Blogplattform der Welt. Spinnen die ein bisschen? 

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Mittwoch, 21. Juni 2017

Buch: Historien, von Herodot (Neuübersetzung)

Der um 485 v. Chr. geborene Herodotos von Halikarnassos - normalerweise kurz und bündig "Herodot" genannt - verfasste ein aus neun Büchern bestehendes Geschichtswerk, das heute zu den bedeutendsten Schriftquellen der Antike zählt: Die sogenannten Historien. Ihr mehr oder weniger chronologisch geordneter Inhalt  reicht von der mythischen Zeit der alten Griechen bis zu den Perserkriegen im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts (eine übersichtliche Inhaltsangabe findet man hier).

Herodot war ein 'Wissenwoller' ('wissen wollen' ist die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes historein, woher beispielsweise 'Historie' stammt). Auf ausgedehnten Reisen - wie etwa nach Ägypten - lernte er viele fremde Kulturen und deren Besonderheiten kennen. Geschickt verwob er die gewonnenen Informationen in seinem Werk mit Berichten über Herrscher, Schlachten und Politik. 

Auch wenn Herodot nicht gerade den Qualitätsstandards der modernen Geschichtsschreibung gerecht wird, so sind seine Historien aufgrund ihres farbigen Detailreichtums für die Altertumsforschung von unschätzbarem Wert. Ein paar Beispiele: Im 1. Buch wird vom Drogenkonsum der Massageten (ein iranisches Volk) gesprochen, die bestimmte Früchte verbrannten, um den dabei entstehenden Rauch zu inhalieren. An anderer Stelle beschreibt Herodot die Bauweise von Schilden und erzählt von einem bei Ausschachtungsarbeiten entdeckten menschlichen Skelett, das sieben Ellen lang gewesen sein soll (= ca 3,36 m).
Kurz gesagt: Die Historien sind zwar bereits rund 2500 Jahre alt, doch kommt beim Lesen der abwechslungsreichen Schilderungen nur selten Langeweile auf. Zumindest mir ging es so.

Die vorliegende, im Alfred Kröner Verlag erschienene Übersetzung stammt vom Philologen Heinz-Günther Nesselrath. Sie enthält etliche, mitunter recht ausführliche Anmerkungen (Endnoten) und ein Namensregister. Das Deutsch der Übersetzung ist zeitgemäß, allerdings muss ich ich einen Stern abziehen, weil hier, anders als beispielsweise bei der Ausgabe des Reclam Verlages, der griechische Originaltext nicht enthalten ist. Freilich, Reclam hat es andererseits bisher nicht geschafft, alle Teile/Bücher der Historien zu veröffentlichen. Seit dem Jahr 2002 trödelt man herum, sodass trotz dieses langen Zeitraums erst sieben der neun Bücher erhältlich sind. Die von Kröner publizierte Ausgabe ist hingegen vollständig. Auch ist sie mit knapp 28 Euro deutlich günstiger als die beim 'Wucherer' De Gruyter (Sammlung Tusculum) erschienene Gesamtausgabe; zwar ist diese wiederum zweisprachig, aber aus meiner Sicht rechtfertigt das keinesfalls einen Preis von saftigen 110 Euro.

Fazit: Wer den altgriechischen Text nicht zwingend benötigt, der ist mit dieser einsprachigen und modernen Übersetzung bestens bedient. Der verlangte Preis ist für das in Leinen gebundene, mit einem Schutzumschlag versehen Buch sehr gut. 

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Dienstag, 20. Juni 2017

Videos:Unterwasser-Archäologie -- Primitive Technology

Die Unterwasser-Expeditionen des Archäologen  Florian Huber | Spieldauer 5 Minuten | DW | Stream & Info

Reusable charcoal mound | Spieldauer 10 Minuten | Youtube | Stream & Info
Wieder einmal ein sehr schönes Video von Primitive Technology, in dem diesmal auf Steinzeit-Niveau mit einfachsten Mitteln Holzkohle erzeugt wird.



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Montag, 19. Juni 2017

Hörbares: Burgen -- Mittelalter-Darsteller im Interview -- Der Golem -- Wie die Götter auf die Welt kamen


Burgen - Schutz und Hut des Landes | Spieldauer 24 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Mittelalter-Darsteller Andrea und Norbert Sturm erzählen von ihrem Hobby | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Archäologie des Glaubens: Wie die Götter auf die Welt kamen | Spieldauer 28 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info | Direkter Download

Der Golem - Erschaffen aus Lehm und Sprache | Spieldauer 24 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 18. Juni 2017

Pfusch am Bau in der Antike: Der römische Ingenieur Nonius Datus und ein (fast) misslungener Aquädukt-Tunnel

An der Küste Algeriens lag in römischer Zeit die Stadt Saldae. Dort war im 2. Jh. n. Chr. von den lokalen Autoritäten der Bau einer Fernwasserleitung beschlossen worden. Aus einem 17 Kilometer (Luftlinie) entfernten Quellgebiet sollte Trinkwasser herangeführt werden. Für die Bewältigung dieser Aufgabe wurde beim Militär um die Entsendung eines geeigneten Bauingenieurs angesucht (was darauf hindeutet, dass derlei Profis vor allem dort, und nicht im zivilen Umfeld zu finden waren). Der Bitte wurde entsprochen und man schickte einen Ingenieur namens Nonius Datus. Dieser begann die Arbeiten zwar, zog sich aber zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder zurück. Wer ihm nachfolgte ist nicht bekannt, doch traten nach einiger Zeit beim Bau eines Tunnels gröbere Probleme auf. Selbst ein Abbruch sämtlicher Bauarbeiten wurde deshalb schon in Betracht gezogen. Und obwohl seit dem Beginn des Aquäduktbaus ca. 15 - 20 Jahre vergangen waren, erinnerte man sich noch an jenen Mann, der ursprünglich Planung und Arbeiten geleitet hatte: Nonius Datus. Der mittlerweile in den Ruhestand getretene Veteran sollte den Karren noch einmal aus dem Dreck ziehen. Darüber berichtet er auf seinem Grabmonument in einer ausführlichen Inschrift, die unter anderem auch den Brief eines römischen Statthalters beinhaltet, wie aus nachfolgender Übersetzung hervorgeht.

Brief des Procurators (Statthalters) Varius Clemens an den Legionslegaten Valerius Etruscus: Sowohl die herrlichste Stadt Saldae als auch ich mit den Salditanern bitten Dich, Herr, dass Du Nonius Datus, Feldmesser und Veteran der Legio III Augusta, aufforderst, nach Saldae zu kommen, um von seinem Werk fertig zu stellen, was noch aussteht.
Nonius Datus: Ich habe mich aufgemacht und bin auf dem Wege unter Räuber geraten; ausgeraubt und verwundet bin ich mit den meinen entronnen; ich bin nach Saldae gekommen und habe den Procurator Clemens aufgesucht. Er hat mich zu dem Berg geführt, wo man über den misslungenen Tunnelbau klagte; man glaubte, ihn aufgeben zu müssen, weil der Vortrieb der beiden Stollen bereits länger ausgeführt war, als der Berg breit war. Es war offensichtlich, dass man mit den Vortrieben von der Trasse abgekommen war; so wie der obere Teil des Tunnels nach rechts, also nach Süden abwich, so ist in ähnlicher Weise der untere Teil ebenfalls nach rechts, also nach Norden abgewichen; beide Baulose haben also die Richtung verfehlt, weil man der Trasse nicht gefolgt war. Die exakte Trassenlinie war aber mit Pfählen von Ost nach West über den Berg abgesteckt worden. Damit aber beim Leser kein Missverständnis bezüglich der Stollen entsteht, wenn es hier 'oberer' und 'unterer' heißt, so ist das so zu verstehen: Mit 'oberer' ist der Teil gemeint, in dem der Tunnel das Wasser aufnimmt, mit 'unterer' der Teil, wo das Wasser wieder herauskommt. Als ich die Arbeiten zuteilte, damit sich jeder darüber im Klaren war, welche Strecken des Vertriebs er aufzufahren hatte, habe ich die Flottensoldaten und die Soldaten aus gallischen Hilfstruppen um die Wette arbeiten lassen (von beiden Seiten her), und so haben sie sich beim Durchstich des Berges getroffen. Ich also war es, der zuerst das Nivellement gemacht und den Bau der Wasserleitung organisiert und in die Wege geleitet hatte nach den Plänen, die ich dem Procurator Petronius Celer gegeben hatte. Das vollendete Bauwerk hat der Procurator Varius Clemens durch die Einleitung des Wassers seiner Bestimmung übergeben. [Die Transportleistung des Aquäduktes beträgt ?] Fünf Scheffel. Damit mein Bemühen um diesen Aquädukt von Saldae deutlicher erscheint, habe ich einige Briefe angefügt [...]. 
(CIL 8,1 2728 | Übers.: Klaus Grewe)

Die für die heutige Forschung hochinteressante Grabinschrift deutet darauf hin, dass Nonius Datus sehr daran gelegen war, der Nachwelt nicht als Verantwortlicher für die Schwierigkeiten beim Tunnelbau des Aquädukts von Saldae in Erinnerung zu bleiben. Vielmehr präsentiert er sich - wohl zurecht - als Problemlöser. Da die beiden Bautrupps des im Gegenort-Verfahren geplanten Tunnels aneinander vorbeigegraben hatten (siehe Grafik), ließ Nonius Datus neue Vermessungen vornehmen und eine Querverbindung zwischen den beiden Teilstücken herstellen.
Nach ihrer Fertigstellung war die Fernwasserleitung 21 km lang und transportierte pro Tag ca. 10000 Kubikmeter Wasser. Jener Tunnel, der so ungemein viele Schwierigkeiten bereitet hatte, war 428 Meter lang und lag bis zu 86 Meter unter der Erde.
Misslungener Tunnelbau im Gegenort-Verfahren. Beide Bautrupps wichen unbeabsichtigt vom geplanten Trassenverlauf des unterirdischen Aquädukts von Saldae ab und verfehlten sich.
Keine Rechte vorbehalten, aber um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Dieses Beispiel zeigt, dass selbst die für ihre Bauten auch heute noch berühmten Römer keinesfalls Wunderwuzzis waren, denen keine gröberen Fehler unterliefen. Im Gegenteil, die Bauforschung kennt längst etliche ähnlich gravierende Missgeschicke.

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Weiterführende Literatur:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Dienstag, 13. Juni 2017

Krimskrams: Campus Galli entdeckt Stein der Weisen und erzeugt Eisen aus Bohnen! -- usw.

Campus Galli entdeckt Stein der Weisen und erzeugt Eisen aus Bohnen!

Schon wieder die Mittelalterbaustelle Campus Galli: Laut Schwäbischer Zeitung - von Einheimischen auch liebevoll Schäbige Zeitung genannt - scheinen die Klosterbaumeister in Meßkirch eine geradezu sensationelle Entdeckung gemacht zu haben. Folgendes wird nämlich im Zusammenhang mit dem Besuch einer Schülergruppe berichtet:


Eisen aus Bohnen gewinnen? Echt jetzt? Oder handelt es sich hier lediglich um eine peinliche Verwechslung mit dem lokal im Boden vorkommenden Bohnerz? Höchstewahrscheinlich! 😄
Es wird aber noch besser: Nachdem ein Leser der Schwäbischen Zeitung die Frage aufwarf, wie man denn bitteschön aus Brechbohnen Eisen herstellt, wurde seine Kommentar gelöscht sowie die betreffende Stelle im Artikel leicht geändert; wobei man den einen Unsinn durch einen anderen ersetzt hat:


Es stellt sich die Frage: Ist die hier zutage tretende Dummheit wirklich nur beim Campus Galli zu verorten oder spielt eventuell auch der 'Pressepartner' des Projekts - die Schwäbische Zeitung - eine unrühmliche Rolle?

Ein Leser dieses Blogs (derselbe, dessen kritische Frage von der Schwäbischen Zeitung gelöscht wurde) bekam auf Nachfrage von der Redaktion die Antwort, dass den Schülern gegenüber "bewusst von 'Brechbohnen' als Synonym für kleine Steine gesprochen wurde". 
Also dürfte hier doch der Campus Galli selbst die Quelle dieses haarsträubenden Blödsinns sein. Was wiederum äußerst peinlich ist, schließlich wird dieses mit Steuergeld subventionierte Projekt der Öffentlichkeit als pädagogisch wertvolle  'Bildungseinrichtung' verkauft.

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Doof wie ein Sack Zement ...

.... aber - wir mir scheinen will - für dieses Milieu nicht ganz untypisch 😄

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"Citizen Science" oder .... ?

Zu 03:33 springen und die Ohren spitzen!  Klick mich
Handelt es sich hierbei wieder einmal um eine deutsche Dialekt-Besonderheit - so wie der "Arschäologe"? 😂

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Kunstkalender: Römische Fresken

Mal etwas ganz anderes: Römische Fresken sind das Thema eines vom KV&H Verlag vertriebenen Kalenders, den ich kürzlich bei Amazon entdeckt habe.
Auf 12 Blättern (plus Deckblatt) sind ebenso viele Wandmalereien / Fresken dargestellt, die hauptsächlich in den antiken Vesuv-Städten wie Pompeji, Boscoreale, Stabiae usw. von Archäologen ausgegraben wurden. Die Rückseite des Kalenders zeigt eine entsprechende Übersicht zu den einzelnen Motiven, in der u.a. Bezeichnung, Fundort und Datierung genannt werden. 
Wegen des überaus großen Formats von 49 x 68 cm kann man sogar einzelnen Pinselstriche unterscheiden, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Die Monate und Tage hat man dezent am unteren Bildrand platziert, wo sie nicht stören bzw. kaum zu erkennen sind (siehe das Übersichtsbild unten). Die Kalenderfunktion stellt daher meiner Ansicht nach eher eine Art Alibi dar, denn so einen Kunstkalender hängt man sich vor allem wegen den schönen Motiven an die Wand (wer das aktuelle Datum wissen möchte, schaut heutzutage ja sowieso meist aufs Handy). Im Prinzip wäre es hier ohne weiteres möglich, die Kalendertage wegzuschneiden und das dadurch kaum beeinträchtigte Bild kostengünstig zu rahmen, um damit eine kahle Wand zu verschönern.

Zum Schluss ein winziger Kritikpunkt, der die Zuordnung der Motive zu den einzelnen Monaten betrifft. Beispielsweise hätte ich den Vogel in üppiger grüner Natur nicht im Winter bzw. Dezember platziert, sondern eher im Frühjahr oder Sommer. Aber das ist wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmacks; es gibt nämlich sicher auch den einen oder anderen, der es gerade im Winter gerne grün hat 😊. Der Kaufpreis beträgt knapp 40 Euro.



PS: Mein Wunsch an den Verlag wäre es, auch einen Kalender mit enkaustischen Mumienporträts aus römischer Zeit zu veröffentlichen. In dem Bereich gibt es etliche wunderschöne Darstellungen!

Sonntag, 11. Juni 2017

Hörbares: Was Mumien über Diäten verraten -- Sabbatruhe seit Antike umstritten -- Archäologie in Jordanien -- Karl Baedeker




Udo Pollmer: Abnehmen mit Kleopatra - was die Mumien über Diäten verraten | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Sabbatruhe seit Antike umstritten: Gespräch mit Bibelforscher Reinhard Achenbach | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Jordanien: Endlichkeiten von Kulturen trotzen einem endlosen Konflikt | Spieldauer 18 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Steinmetz-Training in Jordanien - Schlagkräftige Kulturhilfe | Spieldauer 5 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download

(Off-Topic) Karl Baedeker - Welche Lust gewährt das Reisen | Spieldauer 23 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download

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Samstag, 10. Juni 2017

Buch: Die deutschen Königspfalzen - Band 5.3 - Bayerisch-Schwaben

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Eines der Hauptmerkmale des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation war das Reisekönigtum. Deutschen Könige (und Kaiser) des Mittelalters verfügten über keine feste Residenz, sondern reisten quer durchs Land, um von verschiedenen Orten aus ihre Regierungsmacht auszuüben. Wichtige Voraussetzung hierfür waren ausreichende Unterbringungsmöglichkeiten für das oft sehr umfangreiche königliche Gefolge. Diesen Aufenthaltsorten - man spricht von sogenannten Pfalzen - widmet sich die vom Verlag Vandenhoeck & Ruprecht veröffentlichten Repertoriumsreihe Die deutschen Königspfalzen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den Teilband 5.3, in dem die Königspfalzen bzw. die dazugehörenden Siedlungen in Bayerisch-Schwaben einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Konkret sind das:

🔼Augsburg 🔼Donauwörth 🔼Günzburg
🔼Hohenaltheim 🔼Holzkirchen 🔼Memmingen
🔼Mering 🔼Zusmarshausen

Die in diesem Band behandelten Pfalzorte werden nach zwei verschiedenen Schemata behandelt. Schema A - für Königspfalzen, Königshöfe und andere Besitzungen des Reichs zum Zeitpunkt der ersten Aufenthalts; und Schema B - für Aufenthaltsorte der Könige ohne nachweisbare Existenz einer Königspfalz, eines Königshofes oder anderer Besitzungen des Reichs zum Zeitpunkt des ersten Aufenthalts.
Folgende Informationen beinhaltet Schema A (von mir gekürzt wiedergegeben):
I. Name des Pfalzortes
II. Historisch-geographische Beschreibung (Lage in Landschaft; Verkehrslage; Lage des Pfalzortes in der Wirtschaftsgeographie, der kirchlichen Geographie, der Wirtschaftsgeographie und der politischen Geographie)
III. Siedlungsgeschichte des Pfalzbereichs (Frühgeschichte, Bezeichnung der Siedlung in den Quellen, Beziehung zwischen Siedlung und Pfalz)
IV. Topographie der Pfalz (Bezeichnung der Pfalz in den Quellen; Lage der Pfalz in ihren Bestandteilen; Bauten und Ausstattung)
V. Königtum und Pfalz (Aufenthalt der Könige in der Pfalz und am Pfalzort; Nichtkönigliche Aufenthalte in der Pfalz und am Pfalzort; Königserhebungen, Hoftage, Heeresversammlungen, Synoden; Versammlungen und Landtage in der Pfalz und am Pfalzort; Gerichtstage am Pfalzort; Empfang von Päpste; usw. )
VI. Besitz, Serviten und Aufgaben (Königsgut und Pfalz; auf der Pfalz erhobene Abgaben; besondere Reichsaufgaben der Pfalz)
VII. Späteres Schicksal der Pfalz
VIII. Bedeutung der Pfalz in den einzelnen Perioden

IX. Bibliographie und Hilfsmittel (Häufig zitierte Quellen, Quellensammlungen und Regestenwerke; Bücher und Aufsätze; Karten; Bilder)  
Folgende Informationen beinhaltet Schema B (von mir gekürzt wiedergegeben):
I. Name des Pfalzortes
II. Historisch-geographische Beschreibung (Lage in Landschaft; Verkehrslage; Lage des Pfalzortes in der Wirtschaftsgeographie, der kirchlichen Geographie, der Wirtschaftsgeographie und der politischen Geographie)
III. Geschichte des Ortes (Siedlungsgeschichte; Institution oder Person, die den König beherbergte, und ihre Beziehung zum Königtum
IV. Örtlichkeit der Königsaufenthalte (Bezeichnung; Lage; Bauten)
V. Königtum vor Ort (Aufenthalt des Königs am Ort; Nichtkönigliche Aufenthalte von Bedeutung; Königserhebeungen, Hoftage, Heeresversammlungen und Synoden ...; Versammlungen und Landtage ...; Gerichtstage des Königs; Empfang von Päpsten, ...; Geisliche Festfeiern des Königs; Weltliche Festfeiern des Königs; usw.)
VI. Besitzverhältnisse, Servititen und Reichsaufgaben
VII. Nachwirkungen der Funktion des Ortes für das Königtum

VIII. Bedeutung als Aufenthaltsort von Königen in den einzelnen Perioden
IX. Bibliographie (Häufig zitierte Quellen, Quellensammlungen und Regestenwerke; Bücher und Aufsätze; Karten; Bilder)

Der oben dargelegte Aufbau der Schemata ist stringent und übersichtlich. Das erleichtert das Arbeiten mit diesem Repertorium sehr. Mehrere ausklappbare Karten stellen zusätzlich ein nützliches Hilfsmittel dar.
Die großzügig zitierten Textstellen der historischen Quellen wurden im lateinischen Original wiedergegeben. Für Leser mit vergleichsweise bescheidenen Lateinkenntnissen (ego) ist dieser Umstand etwas problematisch. Da die essentiellen Informationen aber immer auch in deutscher Sprache genannt werden, kann man von keiner gravierenden Hürde sprechen.
Die Ausführungen zu den unterschiedlichen Pfalzorten unterscheiden sich sehr in ihrem Umfang. So beansprucht beispielsweise alleine Augsburg rund die Hälfte der Seiten des vorliegenden Bandes. Was freilich im Angesicht der herausragenden historischen Bedeutung dieses Ortes wenig verwunderlich ist (außerdem galt mein spezielles Interesse ohnehin Augsburg).

Trotz des schönen Leineneinbandes mit Goldprägung, der sich unter dem Schutzumschlag verbirgt, dürfte der Preis von 130 Euro vielen Interessenten ziemlich happig erscheinen - deshalb vier statt fünf Sterne.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Donnerstag, 8. Juni 2017

Krimskrams: Die faszinierende Prioritätensetzung à la Campus Galli -- Archäologe als Sozialversicherungsbetrüger -- usw.

Prioritätensetzung à la Campus Galli: Die Mauer für den Obstgarten geht vor!

Beim quasi im Frühmittelalter angesiedelten Klosterbauprojekt Campus Galli wird gerne der Eindruck erweckt, man würde sich sehr an den historischen Fakten orientieren. Geradezu gebetsmühlenartig weisen deshalb die Verantwortlichen darauf hin, dass Mönche, die im 9. Jahrhundert ein neues Kloster gründeten, zuerst rasch eine kleine provisorische Kirche errichteten, bevor sie für sich selbst feste Wohnquartiere bauten. Und genau aufgrund dieses Sachverhaltes (für den freilich die Quellenlage eher dünn ist) handhabe man es auch beim Campus Galli so. 

Nach mehreren Jahren (von wegen 'rasch') ist nun besagte Holzkirche zumindest äußerlich fertig. Es scheint daher naheliegend, dass jetzt endlich der Zeitpunkt gekommen ist, Schlafsaal, Toiletten und andere essentielle Einrichtungen eines mittelalterlichen Klosters zu bauen - nicht wahr? 
Falsch gedacht! Beim Campus Galli lässt man sozusagen die Mönche weiterhin in zugigen Zelten hausen und errichtet stattdessen eine Mauer für den Obstgarten   😂 

Eine solche Prioritätensetzung ist besonders in Hinblick auf die ständig insinuierte historisch korrekte Baureihenfolge reichlich absurd. Dementsprechend setzte es kürzlich auf der Facebook-Seite des Campus Galli wieder einmal Kritik an diesem projekt-inhärenten Bullshit Nonsen. Und wie so oft reagieren die Betreiber (bzw. der hier anonym agierende Geschäftsführer Hannes Napierala) wenig glaubwürdig bzw. souverän. Wer kritisch nachfragt, wird sofort als Meckerer abgestempelt - selbst wenn es sich um jemanden vom Fach - wie etwa eine Archäologin - handelt.



Quelle: Facebook-Seite des Campus Galli

Ich dokumentiere derlei Facebook-Diskussionen übrigens deshalb immer wieder hier im Blog, weil sie von den Verantwortlichen des Campus Galli schon mal gerne im Nachhinein gelöscht werden, um nicht allzu blöd in der Öffentlichkeit dazustehen. In dem Zusammenhang darf man auch die absurde Aufforderung sehen, kritische Fragen höchstens in E-Mail-Form an den Campus Galli zu richten.

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Archäologe als Sozialversicherungsbetrüger

Der Donaukurier berichtet vom Prozess rund um eine archäologische Grabungsfirma, deren beide Geschäftsführer, einer davon ein Archäologe, die Öffentliche Hand laut erstinstanzlichem Urteil um Sozialversicherungsabgaben in der Höhe von 500.000 Euro betrogen. Eine Mitarbeiterin, die wohl von den Vorgängen wussten, wurden gegen eine vergleichsweise geringe Zahlung von 2500 Euro vom Haken gelassen, während die Hauptangeklagten jeweils eine über zweijährige Haftstrafe ausfassten: Klick mich

Was lernen wir daraus? Auch in der Archäologie gehts schon mal um persönliche Bereicherung - und nicht immer nur im Milieu der bösen "Raubgräber "...

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Woah ...

... sind hier aber aufmerksame Leser und Kunstexperten unterwegs! Da hat doch tatsächlich jemand bemerkt, dass ich der betenden Ägypterin auf dem Header-Bild eine Nasen-OP spendiert habe. 😊


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Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Dienstag, 6. Juni 2017

Video: Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz im Gespräch

Ein Leser hat mich auf nachfolgendes Gespräch mit dem bekannten Experimentalarchäologen Dominique Görlitz aufmerksam gemacht, der, wie sein Vorbild Thor Heyerdahl, von einer weit in die Prähistorie zurückreichenden Hochseefahrt überzeugt ist. Zurzeit bereitet er sich auf seine vierte Expedition mit einem großen Schilfboot vor. Ziel ist die nicht ungefährliche Überquerung des Nordatlantiks, um dadurch die Möglichkeit eines frühen vorgeschichtlichen Kulturaustauschs zwischen Europa/Afrika und Amerika zu belegen.


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