Dienstag, 20. November 2012

Ein frühmittelalterliches Messer: Teil 1

Griffplättchenmesser
Griffplättchenmesser; oft gesehen, aber  fürs frühe Mittelalter eher falsch (Zeichnung: Hiltibold - No rights reserved)

Ein ottonenzeitliches Messer sollte in Auftrag gegeben werden. Mein spezielles Interesse galt nun der Frage, ob es im 10. Jahrhundert sogenannte Griffplättchenmesser gab; also Messer, bei denen der Griff an den beiden Enden mit oft mehreren, bündig angebrachten, dünnen Plättchen aus Metall, Knochen, Elfenbein usw. zwingenartig eingefasst wurde - siehe Zeichnung.
Im Ottonik-Kittguide von Wilhaim.de fand ich dazu erst einmal nichts, was diese Bauart für die betreffende Zeit belegt; genauso wenig wie in irgend einem meiner Bücher. Das brachte mich wieder einmal schwer ins Grübeln, denn bei Darstellern des 10. - 11. Jh. (dazu zählen übrigens auch Wikinger) habe ich solche Messer schon oft gesehen. Nachdem mir dann auch noch der Schmied Schorsch, sowie Torsten von der Ottonenzeit erklärten, sie kennen keine einschlägigen, archäologischen Belege, stand für mich fest, dass hier mehr Nachforschung nötig ist, um absolute Gewissheit zu erlangen.

Also zog ich die reich bebilderte Dissertation von Gerhard Folke Wulf Holtmann zurate, die den bezeichnenden Titel "Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern" trägt und als rund 47 MB große PDF-Datei vom Internetportal der Georg August Universität kostenlos heruntergeladen werden kann: Klick mich
In erster Linie wird in dieser durchaus verständlich geschriebenen Arbeit, die Zeit vom 8. bis ins 17./18. Jahrhundert behandelt; soll heißen, die Messer-Charakteristika einzelner Zeitabschnitte werden hauptsächlich  anhand von Statistiken, die wiederum auf unzähligen Einzelfunden beruhen, detailliert herausgearbeitet.

Aber um zu meiner ursprünglichen Fragestellung zurückzukehren: In der Holtmann-Arbeit wird dargelegt, dass Griffplättchenmesser erst im 12. Jh. aufkamen. Zwar gibt es ganz wenige Funde, die eventuell etwas früher einzuordnen sind, aber das ist mir als Grundlage für eine zeittypische Rekonstruktion viel zu unsicher.
Deshalb soll das von mit in Auftrag gegebene Messer einen auf die Griffangel aufgesteckten Holzgriff erhalten, ohne Metall- oder Hornscheiben an den beiden Enden.
Wenn es samt Lederscheide bei mir eintrudelt, was hoffentlich noch vor dem Jahreswechsel der Fall sein wird, werde ich es selbstverständlich im Blog präsentieren und auf die typischen Merkmale eingehen, die ein Messer des 10. Jahrhunderts kennzeichnen. (Hier geht es zu Teil 2)

Wer übrigens sehen will, wie so ein Griffplättchenmesser in Natura aussieht, der findet beim interessanten Blog Neues aus der Gotik einige erhellende Bilder: Klick mich
(Und in die Gotik gehört das Messer ja auch.)

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