Freitag, 28. September 2012

Die Wasserversorgung römischer Militärlager

Römische Wasserleitung
Römische Wasserleitung aus Holzbrettern (Zeichnung: Hiltibold)
Heute möchte ich einen kurzen Überblick darüber geben, wie es um die Wasserversorgung römischer Militärlager bestellt war. 

Für die Römer war es sehr wichtig, ihre Militärlager dort zu errichten, wo auch eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Trinkwasser möglich war. Pro Mann wurden mindestens 2,5 Liter zum Zubereiten des Essens und zum Trinken benötigt. Auch die Reit- und Lasttiere mussten versorgt werden. Nicht zu vergessen große Wasserverbraucher wie das Badegebäude und die Latrinen.
Man bevorzugte aus gesundheitlichen Gründen fließendes Wasser, z.B. von Flüssen oder Aquädukten. Gab es weder das eine, noch das andere vor Ort, musste man Brunnen graben. Diese Brunnen wiesen häufig einen quadratischen Querschnitt und einen Durchmesser von ca. 1 bis 2 m auf. Sie waren mit Holz oder Mauerwerk verschalt. Das Wasser beförderte man mit hölzernen Eimern nach oben, teilweise verwendete man dafür Flaschenzüge. Bei relativ hohem Grundwasserspiegel, konnte man auch einen Tolleno verwenden (dessen Prinzip man auch von der Belagerungstechnik her kennt). Archäologen fanden sogar Zwei-Zylinder-Unterwasserpumpen (in Metz, Sablon und Trier), die unten in den Brunnen installiert waren und von oben mit einem Gestänge bedient wurden. Über eine Steigleitung beförderte man das Wasser aus bis zu 15 Metern Tiefe ans Tageslicht. Mit solchen Pumpen konnte man auch die Hochbehälter von Bädern füllen (Stichwort "Wer hat die Dusche erfunden" -->Klick mich).  Die Förderleistung dürfte zwischen 35 und 100 Litern pro Minute betragen haben. (Laut Vitruv verwendeten die Römer, um Wasser auf ein höheres Niveau zu befördern, zumindest im zivilen Bereich, auch Schöpfräder bzw. Schöpfräderketten; nicht zu vergessen die Archimedische Schraube.)
Im Lager wurde das Wasser in Kanälen aus Stein, oder in Rohren aus Holz, gebranntem Ton, Blei oder Leder verteilt. Die Lederrohre waren eine Art von Schlauch, die nur für kurze Distanzen verwendet wurden. Für heißes Wasser (aber auch für kaltes) verwendete man Bleirohre. Vitruv meinte übrigens, Tonrohre wären gesünder als Bleirohre. Heute vermutet man allerdings, dass die Römer ihre Bleivergiftungen nicht von den Zuleitungen aus Blei bekommen haben, sondern weil sie ihre (billigen) Weine gerne mit Bleizucker süßten. Die Rohre aus Blei hingegen, überzogen sich an der Innenseite relativ schnell mit einer schützenden Schicht aus Kalk. Bedenkenswert ist auch, dass z.B. bei den gemauerten Aquädukten ein Kalkmörtel verwendet wurde. Selbst wenn das Wasser ursprünglich nicht extrem kalkhaltig war, dann dürfte es doch auf seiner oft zig Kilometer langen Reise Kalk aus diesem Mörtel ausgeschwemmt haben.
Hölzerne Rohre wurden entweder kastenartig aus vier Brettern zusammengebaut (siehe Bild), oder man verwendete durchbohrte Baumstämme. Archäologen fanden solche Leitungssegmente, welche eine Länge zwischen 1,8 und 4 m hatten, und bis zu 20 cm dick waren. Im Gegensatz zu der Bretterbauweise, konnte man diese durchbohrten Baumstämme als Niederdruckleitung verwenden, um Wasser z.B. in Hochbehälter zu befördern.
Und zum Schluss noch ein paar Worte zur Wasserentsorgung: Das Regenwasser tropfte von den Dächern in ebenerdige Traufrinnen (Dachrinnen gab es wohl nur selten). Von den Traufrinnen wurde es in größere Sammelbehälter geleitet und von dort aus über einen Kanal an der tiefsten Stelle des Lagers nach draußen befördert - oft direkt in den Verteidigungsgraben.

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Quellen bzw. weiterführende Literatur:
  • Römische Kastelle des 1. und 2. Jh. | von Anne Johnson | Verlag: Phillip von Zabern | Infos bei Amazon
  • Die Römischen Thermen und das antike Badewesen | von Erika Bödner | Verlag: Primus | Infos bei Amazon
  • De architectura libri decem | von Vitruv / Anna Schindler (Übers.) | Wissenschaftliche Buchgesellschaft | Infos bei Amazon

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